Der 43jährige Reformer Grigorij Jawlinskij gilt neben Exgeneral Alexander Lebed als populärster Politiker Rußlands. Der promovierte Ökonom aus dem ukrainischen Lemberg war in seiner Jugend - wie Lebed - begeisterter Boxer. Seine politische Karriere begann mit der Perestrojka. Das dynamische Jungtalent war Mitschöpfer des spektakulären 500-Tage-Plans zur marktwirtschaftlichen Umgestaltung, der zwar politisch scheiterte, aber als Denkanstoß weiterwirkte. Die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsexperten der Harvarduniversität brachte ihm bald auch im Westen wachsendes Ansehen.

Weltläufig, engagiert, aber eigenwillig hielt Jawlinskij Distanz zu Gorbatschow und Jelzin und blieb auch Koalitionen fern. Schon im April 1993 meldete er seine Präsidentschaftskandidatur an.

Die Partei Jawlinskijs, Jabloko (Apfel), wurde in der vergangenen Woche von der Wahlkommission - die mit Jelzins Apparat eng verbunden ist - wegen Formfehlern von den Parlamentswahlen im Dezember ausgeschlossen. Das Oberste Gericht wies den Ausschluß zurück. Der Machtkampf um die Nachfolge Jelzins - dessen Anhänger auf eine Verschiebung der Wahlen hinarbeiten - geht indessen weiter.