DIE ZEIT: Grigorij Alexejewitsch, Ihre Partei Jabloko gilt als stärkste demokratische Kraft bei der für den 17. Dezember vorgesehenen Parlamentswahl. Die Wahlkommission hat - am Ende vergeblich - versucht, Jabloko wegen angeblicher Verstöße gegen die Wahlregeln von der Abstimmung auszuschließen. Gehörte das schon zum Machtkampf um das Erbe des kranken Jelzin? Sollte die Wahl durch Chaos verhindert werden?

Grigorij Jawlinskij: Dies war ein dreifacher Test.

Erstens: Ob sich die größte demokratische Kraft ganz ohne Blutvergießen, einfach mit der alten, vulgären Sowjetbürokratie von der Bühne drängen läßt.

Zweitens: Ob die übrigen demokratischen Gruppen dieser Ausschaltung der Konkurrenz mit klammheimlicher Freude zusehen oder Solidarität zeigen würden.

Drittens: Ob der Wahlvorgang selbst den Bürgern so madig gemacht werden kann, daß man schließlich nur noch auf die Wähler zu zeigen braucht: Seht her, die wollen ja gar nicht mehr abstimmen . . .

ZEIT: Ihre Partei als Testkaninchen, weil Sie selber zugleich ein aussichtsreicher Bewerber wären, wenn es im nächsten Juni zu den Präsidentschaftswahlen kommen sollte?

Jawlinskij: Nach Jelzins zweiter Herzattacke weiß niemand mehr, was im Krankenhaus noch passieren kann. Es ist ja nicht mehr auszuschließen, daß plötzlich - wie es die Verfassung für die Nachfolge vorschreibt - Präsidentenwahlen innerhalb von nur drei Monaten angesetzt werden müssen. Und da stehe ich dann schon bereit, weil ich die eine Million Unterschriften, die für die Zulassung der Präsidentenbewerber erforderlich sind, in der Tasche habe. So laufen die Fäden zusammen, mit denen man über Jablokos Fesselung die Wahlen allgemein zu diskreditieren versuchte.