Die Liebe dauert oder dauert nicht. Meistens dauert sie nicht - das sind die langweiligen Geschichten. Manchmal aber dauert sie doch. Das sind dann die komischen Geschichten, also die einzigen, für die es sich lohnt.

Fünfzehn Jahre dauert die wunderbare Freundschaft zwischen Serge und Marc und Yvan. Gewiß, im Leben gibt es auch die Arbeit: Serge ist Dermatologe, Marc Ingenieur für Aeronautik, Yvan wechselt gerade von der Textil- in die Papierbranche. Schon gut, im Leben gibt es auch die Frauen: eine Françoise, eine Paula, eine Catherine. Aber die Jobs sind aufreibend, die Frauen nervtötend. Es ist also die Männerfreundschaft, die Männerliebe wohl der einzige weiße Lichtblick, das einzige Paradies auf Erden für Serge und Marc und Yvan. Drei Männer im Glück, fünfzehn Jahre nun schon.

Doch irgend etwas stimmt nicht mehr in letzter Zeit. Yvan ist immer spießiger und weinerlicher geworden, Marc immer starrer und bitterer. Und Serge hat sich gar auf Abwege begeben: kokettiert mit den Geistesmoden der Zeit, dem Dekonstruktivismus vor allem, und ist mächtig stolz darauf. Und eines Tages kauft er ein Bild, teuer wie die Sünde: ein vollkommen weißes Bild, das weiße Nichts. Nur wenn man die Augen zusammenkneift, kann man auf dem weißen Bild feine diagonale weiße Streifen entdecken.

Serge zeigt den Freunden das Bild. "Eine Scheiße!" sagt Marc, und die Krise ist da. Keine Liebe dauert ewig. Serge und Marc und Yvan: drei Männer im Weh.

An der Berliner Schaubühne hat Felix Prader Yasmina Rezas "Komödie für drei Schauspieler" mit dem kurzen Titel "Kunst" inszeniert. Die drei Schauspieler heißen Gerd Wameling (Serge), Udo Samel (Marc) und Peter Simonischek (Yvan). Und alle, die unsere alte Schaubühne lieben (fünfzehn Jahre und noch viel mehr) wissen schon bei diesen Schauspielernamen, daß der Triumph für "Kunst" ganz unvermeidlich war.

Doch bevor wir uns den Wonnen des höheren Boulevardtheaters hingeben, muß erst die theaterkritische und patriotische Pflicht getan werden. Auf dem Stundenplan nämlich steht das Thema Nummer eins.

Deutschland!