Ist der Vorschlag der IG Metall, mit Arbeitgebern und Regierung ein "Bündnis für Arbeit" zu schließen, ein ermutigendes Signal für die Arbeitslosen?

POHL: Die Institutionen reagieren viel flexibler, als viele glauben. Daß man eingefahrene Gleise verlassen will, finde ich ermutigend.

Ein Verzicht auf reale Lohnerhöhungen schafft zusätzliche Arbeitsplätze?

POHL: Für die Unternehmen ergibt sich ein Entlastungseffekt bei den Lohnkosten, wenn sie den Produktivitätsfortschritt nicht weitergeben. Eine zurückhaltende Lohnpolitik hat zweierlei Vorteile: Der Druck auf die Gewinne läßt nach, und der Kostenauftrieb wird geringer. Sie ist deshalb wichtig, nicht nur um Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch um den weiteren Rückgang von Arbeitsplätzen aufzuhalten.

Doch daß die Tarifparteien nicht mehr nur über Löhne, sondern gleichzeitig auch über Arbeitsplätze verhandeln, finde ich sehr bedenklich.

Warum?

POHL: Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Arbeitgeber als Verhandlungspartner kompetent sind, verbindliche Aussagen über Arbeitsplätze zu machen. Die Zahl der möglichen neuen Arbeitsplätze ist einfach nicht quantifizierbar. Die Verknüpfung von Lohnkontrakt mit Arbeitskontrakt und möglicherweise auch noch mit Sozialkontrakt halte ich einfach nicht für machbar.