Kommt alles so, wie es Postminister Wolfgang Bötsch derzeit plant, wird es in der Bundesrepublik wohl die weltweit radikalste Marktöffnung in der Telekommunikation geben. Praktisch soll es jedem - spätestens von 1998 an - erlaubt sein, Kabel zu vergraben und Telephonanschlüsse zu installieren. Zur Zeit gehen die Diskussionen über das neue Telekommunikationsgesetz in die letzte Runde.

Vor allem die großen Stromversorger des Landes schicken sich an, in die Telekommunikation einzusteigen. Sie durften schon immer zu internen Zwecken ein eigenes Kommunikationsnetz betreiben. Insofern sind sie für den Einstieg ins Fernmeldegeschäft gut gerüstet. Außerdem haben sich etliche von ihnen bereits international erfahrene Partner gesucht:

- Veba will mit der Tochter Vebacom durchstarten und kooperiert mit dem britischen Telekommunikationskonzern Cable & Wireless.

- Das RWE hat die Tochter Telliance gegründet und will mit anderen regionalen Stromversorgern des Landes ein möglichst flächendeckendes Netz aufbauen. Vereinbarungen mit einem internationalen Partner gibt es indes noch nicht.

- Viags Telekommunikationstochter heißt InterKom. Der Münchner Konzern hat mit British Telecom (BT) einen mächtigen Allianzpartner gefunden.

- Mannesmann zählt mit der Mobilfunktochter (D2) bereits heute zu den großen Gegenspielern der Telekom (D1). Eurokom heißt die Konzerntochter, welche dem Exmonopolisten in weiteren Geschäftsfeldern Konkurrrenz machen soll. Als Partner konnten der amerikanische Telephonriese AT&T und Unisource gewonnen werden. Unisource ist wiederum eine Allianz, in der sich die Holländer, Schweden, Schweizer und Spanier zusammengetan haben.

- Auch Thyssen Telecom hat große Ambitionen. Schon heute ist das Unternehmen an E-plus, dem zweiten privaten Mobilfunkanbieter, beteiligt. Zu Beginn des Jahres präsentierte Thyssen die amerikanische Telephongesellschaft Bell South als Partner.