Der Bronzekopf des Oba genannten Königs gehört zu der Benin-Sammlung des Wiener Museums für Völkerkunde, die als eine der weltweit größten gilt. Entstanden sind die Exponate im ehemaligen Königreich Benin (nicht zu verwechseln mit dem afrikanischen Staat gleichen Namens), das zum heutigen Nigeria gehört, in der Zeit vom 14. bis 19. Jahrhundert. Die handwerkliche Meisterschaft und die für Afrika einmalige Verwendung von Bronze nährten bei Europäern lange die fälschliche Annahme, es könne sich um keine originär afrikanische Kunst handeln. Aus 2400 Zeremonialobjekten, Skulpturen und Reliefplatten soll der ehemalige Königsschatz bestanden haben, der den Engländern nach der Eroberung Benins in die Hände fiel. Es dauerte einige Zeit, bis die über die ganze Welt verstreuten Kunstgegenstände in Museen eine endgültige Heimstatt fanden. Der ausführliche Text zu dem nun auch in deutscher Übersetzung vorliegenden Bildband Benin - Kunst einer afrikanischen Königskultur, von Armand Duchâteau (Prestel Verlag München, 1995, 136 Seiten, 153 Abbildungen, davon 71 in Farbe, 78 Mark) gibt Auskunft über die Geschichte des Königreiches, die religiösen und höfischen Zeremonielle und erläutert auch die Technik des Gelbgusses. Zur heutigen Situation Benins findet sich in dem Band leider nur ein einziger, mitnichten erhellender Satz. Ein König herrsche noch heute über Benin, heißt es da, wenngleich mit weniger Autorität als seine Vorgänger. Ein ganzseitiges Eingangsphoto - es zeigt einen Oba aus dem Jahr 1980 - bleibt in der deutschen Ausgabe ohne erläuternde Bildzeile. Auch die übrigen Photos vermitteln keine Information, da der Leser nicht erfährt, welche Rolle Benin, sein König und die abgebildeten Häuptlinge heute spielen. Immerhin leben sie in einer Militärdiktatur, in der die Menschenrechte eklatant verletzt werden und ein Volk wie die Ogoni auf den verseuchten Ölfeldern des Nigerdeltas von Krankheit und Tod bedroht sind.