Streifenpolizist Bodo V. (22) wäre für sein Leben gern auf breiten Reifen die Bremer Straßen entlang patrouilliert, aber sein Salär war dafür einfach zu knapp, Schulden drückten, ein VW GTI war abzustottern . . .

Da fand der Mann, welch schöner Zufall, die ersehnten Extrabreitreifen der schnellen Z-Klasse im lokalen Anzeigenblatt, zwar reichlich abgefahren, dafür kosteten sie nur zweihundert Mark. Doch in der Werkstatt zeigte sich, daß einer der Pneus die Luft nicht halten konnte. Den schlaffen Gummi wollte Bodo V. natürlich nicht und verlangte sein Geld zurück. Der Verkäufer, ein Herr R., weigerte sich glattweg.

So was muß ich mir nicht gefallen lassen, ergrimmte sich der junge Ordnungshüter und klopfte mit einem Block Verwarnungsquittungen auf den Busch. Seine Rachegedanken behielt er nicht, wie man hätte vermuten können, still für sich, wollte vielmehr den Verkäufer gefügig machen, indem er ihm am Telephon lauthals drohte, es könne ja "mal" eine Anzeige kommen, wenn man einen Polizisten bescheiße.

Die Drohungen fruchteten nichts, Bodo V. blieb auf dem defekten Schlappen sitzen. "Damit der andere die Sache vergißt", wartete er drei Monate auf seine Stunde und kundschaftete inzwischen das Grundstück seines Kontrahenten mit den dazugehörenden Wagen aus. Die erheblichen Fahrtkosten nahm er, um der süßen Rache willen, bereitwillig auf sich. Dann ließ er, im Juli 1994, das erste Ticket los: wildes Parken in der Bremer Fußgängerzone - sechzig Mark, glatt ausgedacht.

Welcher Teufel ihn da geritten habe, könne er nicht sagen, meint der Angeklagte treuherzig vor dem Bremer Amtsgericht, wo es doch, trumpft er auf, legale Mittel und Wege gebe, um zu seinem Recht zu kommen, sprich: zu den für die kaputten Reifen bezahlten fünfzig Mark. Nach einem Jahr Suspendierung vom Dienst und angesichts der bevorstehenden unehrenhaften Entlassung grämt sich Bodo V. offensichtlich noch immer wegen dieser Fehlinvestition.

An eine Gewährleistungspflicht sei doch gar nicht zu denken, wendet ein wenig verstört der Richter ein, dafür seien die "Angeberpuschen" doch nun wirklich viel zu billig gewesen. Solche Überlegungen aber haben Bodo V. nie beschäftigt. Monatelang muß der Zorn in ihm gebrodelt haben. Im September ließ er eine zweite Verwarnung folgen - wieder wegen erfundener Parksünden. Zur Dummheit gesellte sich das Mißgeschick des Rächers in eigener Sache. Ausgerechnet an diesen beiden Tagen hatte Herr R. ein unwiderlegbares Alibi - das eine Mal stand sein Wagen zerlegt in der Werkstatt, das andere Mal sonnte sich der Fahrer auf Rhodos, während das Auto bei der betagten Mutter in der Garage stand.

Herr R. beschwerte sich zunächst verhalten, glaubte an einen Irrtum, aber der Polizist bekräftigte unbeirrt, daß er sich nicht getäuscht haben könne. Gründliche Planung, das Leugnen - es konnte sich nicht günstig für den Angeklagten auswirken. Der Anwalt nennt die Selbstjustiz eine "Eselei", das Gesetz nennt es "Verfolgung Unschuldiger". Bodo V. bekommt elf Monate auf Bewährung aufgebrummt. Zusätzliche vierzig Tage gemeinnützige Arbeit sollen seine letzten dienstfreien Wochen füllen.