Es ist ein sachliches Buch und kein schwärmerisches, und schon gar kein deutschtümelndes. Und das ist gut so, denn es handelt sich um Südtirol, dessen landschaftliche Schönheiten schon oft genug überschwenglich gepriesen wurden. Reinhard Kuntzke und Christiane Hauch scheuen sich nicht, auch die heiklen Themen zu streifen in ihrem Band Südtirol, der in der Reihe DuMont-Taschenbücher erschienen ist (250 Seiten, 19,80 Mark): "Ein dunkles Kapitel", die Option, bei der sich die Südtiroler 1939 entscheiden sollten, ob sie "heim ins Reich" wollten, wird aufgeschlagen, der Freiheitsheld Andreas Hofer durchaus kritisch portraitiert ebenso wie Luis Trenker. Klipp und klar heißt es auch, daß die deutschsprachige Bevölkerung einen für Europa einmaligen Minderheitenschutz genießt und daß praktisch Vollbeschäftigung herrscht.

Den Schwerpunkt des Buches bildet die solide und ehrliche Beschreibung erst der Städte, dann der Täler, wobei nichts beschönigt wird und auch nicht die Schäden verschwiegen werden, die der Tourismus hinterlassen hat. Wer mit diesem Buch durch Südtirol reist, ist gut beraten.