Vor dem Sündenfall war die Welt ein Paradies und ungemein übersichtlich: "Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen." Auch die Sintflut komplizierte die Sache mit den Namen nicht weiter, Noahs Arche blieb Arche. Der erste Reeder, weise 600 Jahre alt, hatte ein sicheres Gespür für Markenartikel mit Bestand.

Heutige Schiffseigner und -pächter sind launiger. "Da wird alle paar Jahre umgepinselt", berichtet der Herr vom Hamburger Schiffsregister. Den Überblick habe er längst verloren, für seine Akten zählen nur Unterscheidungssignal und IMO-Nummer, eine Art Fahrgestellnummer für Schiffe.

Dabei ist eigentlich alles ganz einfach, wie der Kreuzfahrt-Veranstalter Aquamarin (auch ein neuer Name) zu erklären versucht: "Aus der Fedor Dostojewskij wird wieder die legendäre Astor." Ja, genau die Astor, die als Schwesterschiff zu der ersten Astor gebaut wurde, die heute, nach einem südafrikanischen Intermezzo, als Arkona für die Deutsche Seereederei fährt.

Die Astor, um die es hier geht, hatte zwar auch etwas mit Südafrika zu tun, wurde aber schon vor der Fertigstellung nach Hongkong verkauft, an Panama verchartert und nach Mauritius ausgeflaggt. Bis dann die russische Sovcomflot das Schiff kaufte und es Fedor Dostojewskij taufte. Aber damit ist es ja jetzt vorbei: Die neuen Besitzer, Zyprioten, Deutsche und Russen, hissen die Flagge der Bahamas und lassen das Schiff zurücktaufen - am 29. November mit Sekt, Shantychor und Taufpatin.

Danach pflügt die neue alte Astor durch die Weltmeere und trifft vielleicht die Sedov (Ex-Magdalene Vinnen, Ex-Kommodore Johnson), die Europa (Ex-Senator Brockes) oder auch die Costa Playa (Ex-Pearl). Ein Durcheinander, bei dem man sich in die goldenen Zeiten der christlichen Seefahrt zurücksehnt. Damals zählten Namen noch etwas, standen für Taten und Legenden. Das Boot von dem Mann, der sich Kolumbus nannt', kennt jedes Kind. Wie hieß es noch gleich? Die Encyclopædia Britannica hilft weiter: Marigalante, offiziell umbenannt in Santa Maria. Es ist zum Verzweifeln!

Wie gut, daß es auf der Welt auch noch Orte gibt, an denen alles beim alten bleibt und Namen weder dem Zeitgeist noch anderem Kalkül unterworfen werden. Da hängt seit Jahren ein Paddelboot in der heimischen Garage, das unverändert Karin heißt. Vielleicht liegt es daran, daß das Boot über Touren auf der Bille nie hinausgekommen ist.

Sollten wir es aber einmal mit auf eine weite Reise nehmen, damit es sich auf dem Colorado, dem Mekong oder dem Jenissej bewähren kann, wäre vielleicht doch eine etwas weltläufigere Etikettierung angebracht, ein Name, der auf Höheres verweist. Fedor Dostojewskij oder Magdalene Vinnen, vielleicht auch Arkona . . . Aber wir wollen ja nicht wieder von vorn anfangen.