Eigentlich, sagt Tom Johnson, Präsident des Golfkriegsgewinnlers CNN, "bräuchten wir mal wieder einen richtig anständigen Krieg." Einen telegenen Hochglanzkrieg, nicht diese kleinen schmutzigen Massaker, die tagtäglich nahezu unbeachtet von der Weltöffentlichkeit in Schwarzafrika, in Peru und Sri Lanka sich ereignen.

Vorbei ist mittlerweile der Optimismus, mit dem der Nachrichtensender CNN (gemeinsam mit dem Unterhaltungsgiganten Time Warner) via n-tv auch auf den deutschen Markt drängte. Nach dreijähriger Sendezeit kommt der Spartenkanal, der in diesem Jahr mit einem um dreißig Prozent verkürzten Budget haushalten mußte, auf gerade mal 0,3 Prozent Marktanteil. In Deutschland, so stellten die Bosse des amerikanischen Medienkonzerns fest, funktionieren Nachrichten nicht als Spartenprogramm. Der Markt ist gesättigt. Nachrichtensender wie Euronews wissen dies zu bestätigen. Ohne Krieg kein Sieg.

So weit, so schön. Weniger schön hingegen ist, daß nicht nur die Neuen, sondern auch alteingesessene Nachrichtensendungen mit einem Virus kämpfen, gegen das kein Kraut gewachsen scheint: öffentliches Desinteresse. Zwar verweist die Zuschauerquote aller Kanäle Spielfilme und Shows auf die Plätze hinter der "Tagesschau" und "heute". Auch liegt deren Bekanntheitsgrad in der deutschen Bevölkerung noch immer nahe der Hundertprozentmarke, zwischen fünf und sieben Millionen Zuschauer schalten täglich ein. Allein, Grund zur Freude gibt es wenig. "Das pädagogische Fernsehen der Anfangsjahrzehnte", räsoniert ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser, "hat im gnadenlosen Wettbewerb der Sender keine Zukunft mehr."

Betroffen sind ARD und ZDF. Schuld ist ein Gespenst, das neudeutsch als "Abwanderungsbewegung" durch Redaktionsstuben geistert. Doch nicht der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und nicht die Flucht der bosnischen Serben vor der kroatischen Armee beschäftigen die öffentlich-rechtlichen Gemüter. Sorgen bereitet vielmehr die Wanderung des Zeigefingers auf der Fernbedienung - um einen entscheidenden Zentimeter freilich.

Der Quotenverlust ist ein Faktum. Seit die Privaten als ernsthafte Konkurrenz auftreten, ist die Welt gebührenfinanzierter Nachrichten nicht mehr, wie sie war. Falsch allerdings wäre der Schluß, den spürbaren Einbruch der Flut privater Nachrichtensendungen zuzurechnen - der Qualität von "RTL-Aktuell", den Pro-Sieben-"Nachrichten" oder von "News" oder "Newsmagazin" bei Sat.1. Ein wenig mehr Kriminalität und Katastrophen, ein flockigerer Ton, ein bißchen weniger Hintergrund, dazu eine Prise mehr Sport, gut umgerührt und eiskalt serviert als neue Nachrichten - ein spektakuläres Erfolgsrezept ist das nicht.

Der Aufstieg der Privaten, sagt ARD-Nachrichtenchef Ulrich Deppendorf, verdanke sich nicht deren exzeptioneller Machart; private Nachrichten würden vom Umfeld getragen und als Dreingabe konsumiert. Die Gegner sind nicht Jacoby, Gockel, Korus oder Kloeppel oder wer sonst verantwortlich zeichnet für den Zuschnitt privater Nachrichtensendungen; der wahre Gegner sitzt in der ersten Reihe: die Schaulust des Zuschauers, die Suchtkrankheit Entertainment.

Das Halligalli televisueller Abendunterhaltung auf ungezählten Kanälen machte bisher vor allem Nachrichtenmagazinen wie dem "heute journal" und den "Tagesthemen" zu schaffen, deren Zuschauerzahl sich in den vergangenen zehn Jahren immerhin halbiert hat, Tendenz weiter fallend. Dabei haben die Privaten den Nachrichtenmagazinen zwischen 21 und 23 Uhr nicht einmal mit gleicher Münze Konkurrenz gemacht. Wolf von Lojewski und Ulrich Wickert mögen sich noch so viel Mühe geben, Deutschlands Wohnstuben über die abstrakten Nöte und Notwendigkeiten der Zeitgeschichte aufzuklären, gegen die konkreten von Fetischisten, Päderasten und Flagellanten im Programm der Privaten kommen sie nicht an. Tschetschenen, Tschetniks oder Tschernobyl - wer interessiert sich denn wirklich dafür? Das Ende des Kalten Krieges, das Aufweichen der Blöcke, macht die Entscheidungen schwierig, verlangt anstrengende Differenzierungsarbeit. Bei Nachrichten aber ist's wie beim Fußball: Wenn man nicht Partei ergreift, wird es langweilig.