ZEIT: Deutschland steht erneut auf dem zweiten Platz des Uno-Registers über die größten Waffenexporteure der Welt. Wie bewerten Sie als langjähriger kritischer Beobachter von Waffenexporten diesen zweiten Platz?

Wulf: Bei der neuen, zum dritten Mal publizierten Registerliste muß man beachten, daß Rußland seine Exporte erstmals nicht gemeldet hat. Die Meldungen beruhen ja grundsätzlich auf Freiwilligkeit. Aber selbst wenn Rußland gemeldet hätte: Bei dem, was aus anderen Quellen über die russischen Exporte bekannt ist, würden die Deutschen wahrscheinlich auch auf dem zweiten Platz vor Rußland stehen.

ZEIT: Dabei waren Rußland und die Sowjetunion doch früher nach den Vereinigten Staaten stets zweitstärkster Waffenexporteur. Wie ist dieser Wandel zu erklären?

Wulf: Sicher gehört Rußland weiter zu den großen Waffenexporteuren. Aber in den vergangenen fünf Jahren war sein Export drastisch rückläufig, nicht etwa weil sie weniger exportieren wollten, sondern weil ihre Kunden wegen der schwierigen politischen Situation in Rußland beim Kauf sehr zurückhaltend waren. Wer ein Auto kauft, tut das auch nicht bei jemandem, bei dem er in zwei Jahren vielleicht keine Ersatzteile mehr bekommt.

ZEIT: In welche Länder sind nun die deutschen Waffen gegangen?

Wulf: Das meiste Gerät ist an Nato-Länder gegangen und zusätzlich an einige skandinavische Länder. Damit will die Bundesregierung auch deutlich machen, daß die Bundesrepublik weiter keine Waffen in Krisenregionen liefert. Nach unserer Beobachtung sind diese Angaben weitgehend richtig. Kritischer sehen wir allerdings die Exporte in die Türkei und nach Griechenland. Beides sind zwar auch Nato-Länder, aber immerhin befindet sich die Türkei in einem Konflikt mit den Kurden im eigenen Land. Wenn man außerdem die gesamten Waffenimporte beider Länder betrachtet, die seit einigen Jahren zu den großen Importeuren gehören, kann man durchaus von einem regionalen Wettrüsten zwischen beiden Ländern sprechen. Und daran sind eben deutsche Lieferungen beteiligt.

ZEIT: Welche Waffen sind nach dem Uno-Register von Deutschland aus exportiert worden?