Der Oktober, traditionell der Krisenmonat an der Börse, ist vorbei, und schon haben sich die Schwankungen auf dem Aktienmarkt abgeflacht. Im wesentlichen folgt die Tendenz dem Dollarkurs, der sich um 1,41 Mark stabilisiert hat. Anregungen erwarten die Börsianer von der Bundesbank. Viele glauben, daß der nachlassende Konjunkturschwung dem Zentralbankrat unter Präsident Hans Tiedtmeyer noch in diesem Jahr weitere Leitzinssenkungen ermöglicht. Solche Erwartungen haben die durchschnittliche Rendite öffentlicher Anleihen wieder unter sechs Prozent gedrückt.

Noch immer hält der Zustrom von Auslandsgeldern in den deutschen Rentenmarkt an. Bis Ende August sind von dieser Seite mehr als 55 Milliarden Mark geflossen. Mit Schrecken denken manche daran, daß die Mark eines Tages ihren Reiz verlieren könnte und die Ausländer dann ihre Bestände reduzieren.

Bemerkenswert ist, daß die Bankaktien von dem weiteren Zinsrückgang kaum profitiert haben. Auch von den Neunmonatsergebnissen für 1995 sind keine positiven Impulse ausgegangen. Analytiker weisen darauf hin, daß sich das Kerngeschäft der Banken, also die Zins- und Provisionseinnahmen, schlechter als erwartet entwickelt hat. Enttäuscht haben viele Anleger auch registriert, daß selbst die glänzenden Zwischenberichte der Großchemie keinen Kursschub bei diesen Papieren ausgelöst haben.

Meldungen, wonach Thyssen und Krupp-Hoesch im Stahlbereich bis zum Jahresschluß Kurzarbeit einführen wollen, haben in den Börsensälen die Diskussionen darüber angeheizt, ob die derzeit rückläufigen Wachstumsraten erste Anzeichen für eine handfeste Konjunkturflaute sind oder ob es sich nur um eine vorübergehende Konjunkturdelle handelt. Zunächst einmal sind die Werte rund um die Stahlbranche, dazu gehört auch die Preussag, an der Börse vorübergehend unter Druck geraten.

Einen Kurssturz erlebten die Aktien der Bremer Vulkan AG, die mittlerweile als Geheimtip für Spekulanten gelten. Die aufgeschreckten Anleger reagierten damit auf Gerüchte über Liquiditätsprobleme und über einen möglicherweise bevorstehenden Kapitalschnitt.