Erstmals seit vier Jahren kamen wieder mehr ausländische Touristen nach Deutschland. Mit der internationalen Vermarktung des Lutherjahres soll der Trend 1996 verstärkt werden.

Der 450. Todestag des Reformators am 18. Februar wird der Hotellerie nach Schätzungen der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) 400 000 zusätzliche Übernachtungen einbringen. Die DZT stellte jetzt ihre neue Werbekampagne vor. Sie wendet sich in erster Linie an rund dreißig Millionen Protestanten in Skandinavien, Großbritannien, Kanada und den USA. Für Prospekte, Anzeigen, Messestände und Informationsreisen von Reisebüroagenten, Journalisten und Kirchenvertretern sollen 800 000 Mark ausgegeben werden. Dagegen rechnet die DZT mit einem zusätzlichen Umsatz von achtzig Millionen Mark.

Auf der Wartburg, in Wittenberg, Eisleben, Worms sowie an dreißig weiteren Wirkungsstätten Luthers werden spezielle Programme für die ausländischen Gäste vorbereitet. "Dies ist unsere erste Kampagne, die sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern läuft", sagte DZT-Vorstand Günter Colonius.

Auch deutsche Besucher dürften sich für die Ausstellungen "Luther und der Schwan - Tod und Verklärung eines großen Mannes" in Wittenberg (Ende Februar bis Dezember 1996) und "Der Mensch Luther und sein Umfeld" auf der Wartburg (1. März bis 31. Oktober 1996) interessieren. Auf dem Programm stehen außerdem Lesungen, Vorträge, Kirchenkonzerte, Gottesdienste und Ereignisse wie das Stadtfest "Luthers Hochzeit", ebenfalls in Wittenberg Anfang Juni. Informationen sind unter anderem erhältlich bei der Wittenberg-Information (Telephon 03491/40 22 39).

Im Inland wirbt der Deutsche Fremdenverkehrs-Verband (DFV) für das Lutherjahr, das bereits am Freitag dieser Woche mit dem Martinsfest in Erfurt offiziell eröffnet wird. Dort werden 50 000 Besucher erwartet.

In der internationalen Vermarktung von Kulturereignissen sieht die DZT künftig ein beachtliches Potential. 1999 soll der 250. Geburtstag Goethes dem Deutschlandtourismus dringend notwendige Impulse geben, zur Jahrtausendwende der 250. Todestag Johann Sebastian Bachs.

Deutschland läßt sich im Vergleich mit seinen Nachbarn die Tourismuswerbung im Ausland allerdings nur wenig Geld kosten: Während die DZT in diesem Jahr rund 50 Millionen Mark ausgeben kann, investieren die Niederlande 70 Millionen, Österreich 73 Millionen und Frankreich sogar 109 Millionen Mark.