DIE ZEIT: Der SPD geht es im Augenblick nicht sonderlich gut. Woran liegt das?

Andrea Nahles: Die SPD hat sich programmatisch nicht weiterentwickelt, sondern fällt hinter formulierte Ziele zurück. Es ist ihr nicht gelungen, auf der Grundlage des Berliner Programms ein politisches Profil zu entwickeln.

ZEIT: Was muß sich ändern?

Nahles: Die SPD muß ihre Probleme analysieren, nicht zukleistern. Sie muß erkennbare Schwerpunkte setzen und politische Orientierung bieten. Wir brauchen mehr Einflußmöglichkeiten für kritische Leute innerhalb und außerhalb der Partei. Und im Parlament fehlt bisher jede klare und konsequente Oppositionspolitik. Für uns Jungsozialisten ist dabei das wichtigste Thema der sozial-ökologische Umbau der Industriegesellschaft.

ZEIT: Braucht die SPD auch einen anderen Vorsitzenden?

Nahles: Die Partei braucht eine andere politische Führung. Ich erhoffe mir im Augenblick nicht besonders viel von den Leuten, die die Partei führen - aber wenigstens erwarte ich, daß sie eine Erneuerung ermöglichen. Die kann es aber nur mit jungen Leuten geben, nicht bloß mit den bekannten dreißig Fernsehköpfen der SPD. Damit kann sie in Mannheim beginnen, wenn es um die Neubesetzung des Parteivorstandes geht.

ZEIT: Wird nach dem Parteitag alles besser?