Vor seiner Wahl machte Erhard Geyer nicht den Eindruck, als habe er ernsthaft Zweifel an seiner Berufung. Selbstbewusst, im Innersten wohl siegessicher, formulierte der 56jährige Finanzwirt im kleinen Kreise seinen Machtanspruch: "Ich will Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (DBB) werden." Seit Ende vergangener Woche ist der bisherige Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft am Ziel seiner Karriereträume. Der DBB-Vertretertag wählte Geyer, wenn auch mit knapper Mehrheit, im zweiten Wahlgang zum Nachfolger von Werner Hagedorn, der nach acht Jahren an der Spitze der höchst einflussreichen Beamtenlobby in den Ruhestand ging.

Im Gegensatz zu seinem eher bedächtigen Vorgänger setzt sich CDU-Mitglied Geyer geübt ins Rampenlicht. Der hochgewachsene, dezent gekleidete Finanzbeamte aus dem Westerwald beherrscht die Spielregeln der Mediengesellschaft. Markige Worte, die Schlagzeilen machen, gehen ihm leicht über die Lippen. Als Vorsitzender der Steuer-Gewerkschaft beharrlich das Steuerchaos im Lande beklagend, fanden seine Statements häufig Abdruck auf den vorderen Seiten der Gazetten. Geyers grössere Bekanntheit half sicherlich mit, seinen Gegenkandidaten und Stellvertreter den Chef der Komba Gewerkschaft für den Kommunal- und Landesdienst, Heinz Ossenkamp, auf den zweiten Platz zu verweisen.

Den Ausschlag für seinen Wahlsieg gab letztlich aber ein geschickter Schachzug: Geyer gelang es, neben der Steuergewerkschaft die Delegierten der Lehrerverbände auf sich einzuschwören. Sein Dank folgte auf dem Fuss: "Lehrer müssen Beamte sein und bleiben", forderte der frisch gekürte Vorsitzende in seiner Antrittsrede - das gefiel den organisierten Pädagogen.

Die kleine Szene hat Symbolcharakter. Der Beamtenbund, mit immerhin fast 1,1 Millionen Mitgliedern, geht bei dem anstehenden Gefeilsche über eine Reform des öffentlichen Dienstes in die Offensive. Geyer und die neue Führungsriege werden das Berufsbeamtentum, daran gibt es nichts zu deuteln, in seiner jetzigen Form mit Zähnen und Klauen verteidigen. Selbst die moderaten Reformvorschläge von Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU) werden von den Beamtenbund-Traditionalisten abgelehnt. Um allerdings den Geruch der Bremser und Miesmacher zu vertreiben, hat die Dachorganisation der Beamten ein eigenes Konzept vorgelegt, das zumindest mit dem Namen in die Zukunft weist: "Verwaltung 2000". Die Inhalte sind dagegen alles andere als modern.

Geyer weiss, dass seine Organisation in Zeiten leerer Kassen und neuer Privatisierungen unter Druck geraten wird. Seine vierjährige Amtszeit wird ganz im Zeichen dieses Abwehrkampfes stehen. Da bleibt wohl nur noch wenig Zeit für ein weiteres Amt: Seit vergangenem Jahr ist Geyer in seiner Heimatgemeinde Helmenzen Ortsbürgermeister.