Ob Pater Tetzel ein großer Mann gewesen ist, mag dahingestellt bleiben. Was aber seinen Machenschaften eine für die Kirche unerwünschte Publizität verschaffte, war seine Begegnung mit dem märkischen (Raub-)Ritter Hans v. Hake. Jener Hans v. Hake (auch Hake von Stülpe genannt) besaß neben seinem Schloß bei Teltow ein Winterhaus in Berlin. Als nun Pater Tetzel auch auf einem Marktplatz in Berlin die Werbetrommel für seine Ablaßbriefe rührte, erwarb der v. Hake einen solchen und - gegen gehöriges Aufgeld, versteht sich - einen Sündenablaß auch für die Zukunft.

Tetzel mag sich ob des guten Geschäfts im Geiste die Hände gerieben haben und gab auf beiläufiges Befragen, wohin die Reise denn gehen solle, bereitwillig Auskunft: "Gen Wittenberg, Herr Ritter!"

Hans v. Hake hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als seine Knechte auf der Burg bei Kleinmachnow zu mobilisieren und sie an der Landstraße nach Wittenberg, genauer auf der Golmheide zwischen Jüterbog und Trebbin (siehe Fontane: "Spreeland"), in den Hinterhalt zu legen. Pater Tetzel wurde überfallen und seines Geldkastens beraubt. Auf seinen Protest hin hielt im Hans v. Hake grinsend seinen zuvor erworbenen Ablaßbrief auch für künftig zu begehende Sünden unter die Nase.

Zu Fontanes Zeit soll sich der Geldkasten in der Kirche zu Jüterbog befunden haben. Ich selbst habe ihn vor sechzig Jahren im Märkischen Museum zu Berlin besichtigt. Da es sich um eine äußerst stabile eisenbeschlagene Kiste handelt, mag es nicht ausgeschlossen sein, daß sie sich jetzt in Wittenberg befindet.

Peter Iohn, Gilching