Und dann fährt er endlich los, / der Zug." So noch einmal anfangen. So noch einmal losschreiben, auf und davon. So noch einmal unterwegs sein. Von der "Zärtlichkeit vorbeifahrender Züge" schrieb er, von Irrfahrten, von der langen Reise in die Augen der Geliebten. Heute, schrieb er, jetzt, hier, "ich mußte es sofort aufschreiben".

Christoph Derschaus Gedichte sind Gedichte von unterwegs. Verse in Bewegung, vor allem jene aus den siebziger Jahren. "Venezia" (1977) und den "Ufern der salzlosen Karibik" (ebenfalls 1977) hat er seine Lyrikbücher gewidmet - nach seinem ersten großen Erfolg ein Jahr zuvor, "Den Kopf voll Suff und Kino". Ins Offene, on the road, wie das damals hieß, und immer den "guten Wolken" nach. Alltagsschmerz mischt sich mit Beat und Jazz und Eichendorffschem Wehmutston. Geborgen in der Bewegung, und voll Vergnügen spüren, wie die Erde durchs Weltall fliegt. "Ich will, ich will, ich will die Sonne aufgehen, die Sterne untergehen lassen, die Sonne grinsen sehen . . ." - "Sentimentale, undurchdachte Passagen", bemängelte einmal ein Kritiker. Man kann es auch Fahrtwind nennen.

Und traurig dann und wann, denn: "Ich war wieder allein / und auf der Wanderschaft / durch den Regen". Und dann und wann auch ein jähes Erschrecken: "Was tu ich / wenn er plötzlich hereinkommt der Tod / sich vor mir hinsetzt / den Hut auf den Knien / und mir in die Augen sieht?"

Am 7. November ist Christoph Derschau, der Hamburger Dichter, Dramaturg, Übersetzer und Marathonläufer, im Alter von 57 Jahren plötzlich gestorben.