In seinem Gewerbe nennen sie ihn ehrfürchtig den "Todesengel" oder neuerdings auch schelmisch "unser Haarmännchen". Auf das Konto des Serienkillers kommen eine Million gekillte Jobs. Sitzt man ihm allerdings gegenüber, dann wirkt er, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Genüßlich lehnt er sich zurück:

"Mein Job ist ein Job wie jeder andere. Er macht nur mehr Arbeit. Tag und Nacht ist man auf den Beinen. Rationalisierungsberater sind mehr denn je gefragt. Also mal zu Degussa, mal zu BMW, mal zu Krupp, mal zu Rheinstahl. Alles reizvolle Aufgaben.

Ich komme von ganz unten. Meine erste Kündigung mußte ich aussprechen, als ich mich zum Personalchef eines Warenhauses hochgearbeitet hatte. Es erwischte einen Familienvater mit vier Kindern. Das tat weh. Irgendwann wird es dann zur Gewohnheit. Wahrscheinlich ist es wie beim ersten Mord. Manchmal ertappe ich mich sogar bei gewissen Lustgefühlen. Immerhin dient es einer guten Sache. Durch jeden gestrichenen Job wird ein Job erhalten und damit der Wirtschaftsstandort Deutschland stabilisiert. Leider läßt sich diese Einsicht den Opfern schwer vermitteln.

Eines Tages war ich's leid, den Betroffenen Aug' in Aug' gegenüberzusitzen und mir jedesmal ihre Klagen anzuhören. Ich wollte einfach weg von der Front, an der Hunderte, ja Tausende von Jobs abzubauen waren. Als anonymer Schreibtischtäter hat man ein besseres Gewissen. So wie ein Bombenauslöser in einem Flugzeug.

So, und jetzt muß ich wieder an die Arbeit. Ich bin ziemlich gestreßt. Hinter mir liegt ein großes Erfolgserlebnis: Dasa! Ich hatte die Ehre, federführend bei dem Projekt Dolores mitwirken zu dürfen. Zwar haben wir unser großes Ziel, 12 000 Mitarbeiter zu entlassen, verfehlt und mußten uns mit 8800 begnügen.

Aber daß den anderen zu Weihnachten eine Gnadenfrist eingeräumt werden konnte, erfüllt mich doch mit Genugtuung. Man ist ja schließlich kein Unmensch."