Die Galapagosinseln stehen ebenso auf der "World Heritage List" der Unesco wie die Akropolis. In diesen illustren Kreis soll dieser Tage auch die Grube Messel aufgenommen werden. Mit der südhessischen Fossilfundstätte kommt dann in Deutschland erstmals ein naturhistorisches Kleinod auf die Liste des Weltkultur- und Weltnaturerbes der UN-Organisation für Erziehung, Bildung und Kultur. Denn weltweit ist kein zweiter Ort bekannt, der so tiefe Einblicke in ein Erdzeitalter erlaubt, in dem die Urahnen der Pferde nicht größer waren als heutige Schäferhunde und Verwandte der Huftiere auf den Bäumen herumturnten.

Daß solch einzigartige Zeugnisse der Erdgeschichte ebenso schützenswert sind wie kulturgeschichtliche Kostbarkeiten, war nicht immer selbstverständlich. Vor wenigen Jahren noch drohten die fünfzig Millionen Jahre alten Fossilien der Grube Messel unter Bergen von Müll zu verschwinden.

Begonnen hat die Geschichte 1971, als der unrentable Tagebau von Ölschiefer in der Grube Messel endgültig eingestellt wurde. Zurück blieb eine tiefe Grube, und die wollten die zuständigen Landesbehörden mit Müll stopfen. Dabei war keineswegs unbekannt, welche Schätze die Grube Messel birgt.

Schon 1875 hatte der Naturforscher Rudolph Ludwig dort Knochen eines großen Krokodils entdeckt, und in den folgenden Jahrzehnten tauchten vielerlei Fossilien auf. Doch da der wasserhaltige Ölschiefer beim Austrocknen schnell zerbröckelt, ist aus dieser Zeit nur wenig erhalten geblieben. Erst in den sechziger Jahren fanden die Forscher heraus, wie sich Fossilien auf Kunstharz umbetten und dauerhaft konservieren lassen - oft mit Haut und Haaren beziehungsweise Federn. Mitte der sechziger Jahre begannen dann auch die ersten planmäßigen Grabungen. Den Anfang machte das Hessische Landesmuseum; in den sechziger Jahren folgten das Naturmuseum und Forschungsinstitut Senckenberg und weitere wissenschaftliche Institutionen.

Die Paläontologen arbeiteten nun mit der Müll-Lawine im Nacken. Denn trotz aller Proteste erwarb der Zweckverband Abfallbeseitigung Grube Messel im November 1975 das Gelände der Grube. Ende 1981 kam für die dort geplante "zentrale Abfallbeseitigungsanlage" der Planfeststellungsbeschluß des hessischen Oberbergamtes. Im anschließenden langen politischen Streit kämpften vor allem die Grünen gegen eine Füllung der Grube mit Hausmüll. Schließlich folgte Ende 1987 der Verwaltungsgerichtshof in Kassel einem Eilantrag der Gemeinde Messel und hob, wegen Mängeln im Planfeststellungsbeschluß, den Sofortvollzug des Projektes einer Mülldeponie auf. Die hessische Landesregierung stellte zwar einen Revisionsantrag beim Bundesverwaltungsgericht, hielt aber ein neues Planfeststellungsverfahren für notwendig.

Schließlich ergab sich, daß die ursprüngliche Planung nicht mehr dem Stand der Technik entsprach und daß die Nachbesserungskosten rund 300 Millionen Mark betragen würden. Dies nötigte die Landesregierung, die Deponiepläne aufzugeben, Ende 1990 stieg dann auch der Zweckverband Abfallverwertung Südhessen aus dem mißglückten Projekt aus: Das Land Hessen kaufte bald darauf die Ölschiefergrube Messel für 32,6 Millionen Mark zurück. Ein Jahr später wurde die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft zur Betreiberin der Grube. So kann sie auch künftig immer wieder neue Einblicke in eine Vergangenheit gewähren, als hierzulande üppige Regenwälder wuchsen und zierliche Urpferdchen am zarten Laub naschten.