Den Jürgen Flimm kennt sie ja schon aus gemeinsamen Tagen an der Schauspielschule in Köln. Vor einigen Jahren traf man sich wieder. Der arrivierte Intendant des Hamburger Thalia Theaters und die Lübecker "Provinz-Duse", wie Dagmar Laurens sich selbst gern betitelt.

"Was", fragte Flimm entsetzt, "wie lange bist du jetzt schon da?" Eine resümierende Geste: "Das wird schwer. Da kommst du nicht mehr weg."

Flimm irrte. Wie die Dinge liegen, ist sie doch noch davongekommen. Weihnachtszeit, Wunderzeit: Am 26. Dezember serviert das ZDF den Pilotfilm von "Girlfriends", einer 24teiligen Fernsehserie. Mit Dagmar Laurens.

Sie spielt die Mutter von Marie, der Serienheldin, eine erdig-gewitzte Metzgersgattin aus dem Rheinischen, die es, ausgerechnet, nach Hitzacker an der Elbe verschlagen hat. Eine Nebenrolle, gewiß. Aber eine, die aufhorchen läßt. Nicht nur wegen des süffigen Dialekts. So, wie Dagmar Laurens diese Figur spielt, bleibt jeder Auftritt hängen.

In der Küche hinter dem Laden, wo der Hund nach der Wurst schnappt und Ehemann Erich sich die Krawatte bekleckert, teilt Dagmar Laurens als Elisabeth Harsefeld zwischen Spüle und Eckbank freimütig ihre Haushaltstips ("Kein Wasser, dat jibt nur Ränder") und Lebensratschläge aus: "Wenn de der Kärl nit bald fortschickst, dann kriegste dein Leben jar nit mehr in der Jriff, Mariechen." Mit traumwandlerisch sicherem Gefühl für die exakt gesetzte Pointe im rechten Moment, und das ganz ohne beleidigte Mundwinkel.

Das Komische liegt ihr. "Die macht ein irres Tempo und reißt alles mit", hieß es bei den Dreharbeiten, und bei den ersten Vorführungen war die Reaktion einhellig: Die kommt ja groß an, warum kennt die eigentlich keiner?

Alter: 52 Jahre, Größe: 1,64 Meter, Augen: grau-blau, Haare: dunkelblond. Die personifizierte Unauffälligkeit. Liegt hier der Schlüssel ihrer komödiantischen Ader? "Ich bin", sagt sie selbst und schafft es dabei, nur eine Spur Bedauern in ihre Stimme zu legen, "ein bürgerlicher Typ."