Mit ihrer CD-ROM "D-Info" hat die Firma Topware gezeigt, wie man Volkssoftware macht: Eine Scheibe mit dreißig Millionen deutschen Telephonnummern, Adressen inklusive, dazu ein Suchprogramm, und das alles für knapp fünfzig Mark. Der Erfolg war enorm. Rund 600 000 Exemplare wurden seit dem Start im September verkauft.

Nun stellt sich heraus: Die Firma hat es sich wohl ein zu leicht gemacht. Das Oberverwaltungsgericht Frankfurt hat den Vertrieb der CD gestoppt. Nur die Exemplare, die schon im Handel sind, dürfen noch verkauft werden.

Damit ging ein langwieriger Rechtsstreit zu Ende, in dem eine der unerforschlichsten Fragen des Urheberrechts verhandelt wurde, nämlich: Wem gehören die Telephonnummern?

Die Firma DeTeMedien, eine Tochter der Telekom, verkaufte lange Zeit eine CD mit dem kompletten Nummernbestand zum Preis von 1600 Mark, dafür ohne Adressen. Als die unliebsame Konkurrenz erschien, ging DeTeMedien sofort vor Gericht: Die Firma Topware habe ihr Datenmaterial der DeTeMedien-CD entnommen. Weil in diese CD aber eine Menge Arbeit stecke, sei das eine Verletzung des Urheberrechts. Topware behauptete dagegen, man habe einfach nur Telephonbücher eingescannt, und die seien ja wohl der Öffentlichkeit frei zugänglich.

Auf der DeTeMedien-CD waren allerdings, wie sich nun zeigt, zur Kontrolle ein paar Scheinadressen versteckt, die nicht im Telephonbuch stehen. Das wurde der Firma Topware offenbar zum Verhängnis.

Schon vor einem Jahr hatte die DeTeMedien einen Prozeß angestrengt: gegen die Firma iBS, die eine CD namens Tele-Info vertreibt - damals für 499 Mark, seit kurzem ebenfalls für knapp 50 Mark. Diese Firma konnte aber nachweisen, daß sie tatsächlich nur Adreß- und Telephonbücher gescannt hat. Der Prozeß dauert noch an.

Die Preise aber bleiben wohl volkstümlich. Selbst die offizielle CD der DeTeMedien kostet jetzt nur noch rund 90 Mark. Was sich früher nur Firmen für ihre Telephonzentralen leisten konnten, liegt nun bei den Zeitschriftenhändlern im Regal, und die Verkaufskurven zeigen nach oben. Selbst sonderbare Mehrfachpakete, etwa ein Branchen-Telephonverzeichnis, komplett mit Routenplaner und 800 juristisch geprüften Textbausteinen, erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Anderen wiederum reichen die Adreßdaten, wenn sie sie nur bequem mit anderen Datenbanken abgleichen können. Solch ein praktisches Auskunftssystem wollen sich gerade die bundesdeutschen Behörden und Geheimdienste zulegen. Im Entwurf für ein neues Telekommunikationsgesetz tauchte letzte Woche ein Paragraph 92a TKG-E auf. Er verpflichtet alle Telephongesellschaften, Online-Dienste und selbst private Mailboxen dazu, auf eigene Kosten eine Datenbank zu führen, in der alle Kunden mit vollem Namen samt Anschrift und Rufnummer eingetragen sind - für den Fall, daß sich jemand verdächtig macht. Diese Datenbank muß so gestaltet sein, daß höheren Orts darauf zugegriffen werden kann, ohne daß der Telekommunikationsanbieter etwas davon merkt.

Kommt der Gesetzentwurf so durch, erhebt sich freilich die Frage, warum von all diesen Daten nur die Behörden etwas haben sollen. Früher oder später kommt schon jemand auf die feine Geschäftsidee und bringt alle Datenbanken nach 92a auf CD heraus, komplett mit Textbausteinsammlung, Horoskop und Fetenplaner: Jedermann sein eigener Big Brother. Demnächst bei Ihrem Zeitschriftenhändler.