Das Entchen schwänzelt fürs erste weiter. Zuletzt grüßte es aus dem Schilf, mit dem Achim Greser die neueste Lieferung seiner Serie "Der Führer - privat" verzierte. Sommer ist's, und die Hitlerbuben Goebbels, Göring und Himmler planschen fröhlich im Badesee. Ihrem Chef, der mit seinen Kinderschwimmflügeln (aber mit aufgemaltem Parteiabzeichen) so kläglich auf dem Steg verharrt, rufen sie ein zackiges "Arschbombe, Adolf!" zu.

Das Entchen ist natürlich nicht zufällig ins Bild geraten, sondern ein Memento, eine Zinke für die Eingeweihten. Lange vor Schubladenausschuß und Rücktritt zeigte ein Titelblatt der Titanic den Großen Vorsitzenden und Pfeifenraucher Björn Engholm grinsend in der Barschel-Badewanne und mit der leicht kryptischen Inschrift "Sehr komisch, Herr Engholm!" Damit es auch die politischen Schwerstbedenkenträger in der letzten Bank kapierten, war auf der Photomontage eine Gummiente eingezeichnet.

Aber wenn es um die Moral geht, weiß bekanntlich keiner so gut Bescheid wie Herr Engholm, und der versteht keinen Spaß. Er sah sich nachhaltig in seiner Ehre gekränkt. Der große Hoffnungs-, Zukunfts- und Bannerträger der SPD nicht ernst genommen! Das und nicht etwa die unterstellte Nähe zum Täter Barschel erfüllte den Straftatbestand der Majestätsbeleidigung.

Der moderne Amokläufer beschreitet den Klageweg. Engholm, inzwischen zurückgetreten, nachdem er zugeben mußte, daß er doch ein ganz kleines bißchen früher als zugegeben von Barschel und Pfeiffer und allem wußte, bekam schließlich gerichtlich bestätigt, daß die Titanic ihm an die Ehre wollte. Kostenpunkt: 40 000 Mark. Für die Dezemberausgabe der Titanic, die sich sonst gern über die Dr.-Werner-Funk-Editorials lustig macht, mußte deshalb ein Leitartikel her. Walter Boehlich hat ihn geschrieben und bewiesen, daß die Titanic es auch könnte, wenn sie wollte, nur besser.

Dem Pfeifenmann wird ordentlich heimgeleuchtet. "Auch ein Lügner hat seine Ehre", heißt es da, und: "Mag sein, daß solche 40 000 Mark für ihn Peanuts sind, da er ja ausgesorgt hat und entschlossen ins Lager des Feindes übergegangen ist. Der Mann, der erklärt hatte, Schleswig-Holstein werde bis 1996 aus der Atomenergie aussteigen, hat keinen Anstand genommen, sich von der Atomstrom produzierenden Preussen-Elektra gegen schätzungsweise 100 000 Mark unter Vertrag nehmen zu lassen."

Der Rechtsstaat kommt teuer, und die Freiheit der Kunst, auf die sich auch das "endgültige Satiremagazin" Titanic berufen kann, wird unerschwinglich. Der Gang zum Bundesverfassungsgericht ist für den Ehrenmann Engholm, aber nicht für die Titanic bezahlbar. Mit flatternden Händen wird die neueste Ausgabe in den Redaktionen der seriösen Presse durchgeblättert, es wird gekichert, gestaunt, beneidet, weil die sich das alles trauen, und dann heißt es gewöhnlich, sie seien doch ziemlich schlapp geworden in letzter Zeit. Kein Papst mehr, der sich sodomitisch einem Schaf naht und ausruft: "Ich komme schon wieder!", kein Alu-Kruzifix mit dem Stoßseufzer "Ich war eine Dose!", kein Kohl, der beim diplomatischen Austausch von Zärtlichkeiten mit Honecker denkt: "Küssen kann er, der Mauermörder."

Aber die Titanic hat sich wacker gehalten. Der erzreaktionäre Bischof Dyba wird als Knabenschänder hingestellt oder, na bitte, ein schöner Nachtrag zum Kruzifix-Urteil: "Spielt Jesus noch eine Rolle?", wo der Kruzifixus tatsächlich eine Toilettenpapierrolle in der Hand hält und neben der Kloschüssel befestigt ist. Das ist ziemlich geschmacklos und ziemlich gut.