Das Aus kam nicht ganz überraschend: Am vergangenen Donnerstag teilte Verleger Dietrich von Boetticher seinen Mitarbeitern die Einstellung der Wochenzeitung Wochenpost mit. Die letzte Ausgabe erscheine in der Weihnachtswoche, der Verlag werde liquidiert, Abonnentenkartei und Titel der Wochenpost würden vom Konkurrenten Die Woche übernommen.

Seit Monaten schon suchte Verleger Boetticher Partner für das 1953 gegründete defizitäre Blatt. Unter den schriftlichen Absagen, die er sich von allen deutschen Großverlagen einhandelte, müssen ihn einige besonders geschmerzt haben, wie er am Rande der Betriebsversammlung bekannte. Mehr schmerzte ihn aber wohl der Verlust von zwanzig Millionen Mark, die er seit Übernahme der Mehrheitsbeteiligung von 75 Prozent vom Großverlag Gruner + Jahr im November 1995 in die Zeitung gesteckt hat. Die Entscheidung war freilich erst am vergangenen Mittwoch abend in Hamburg gefallen. Beteiligt unter anderem: Verleger Thomas Ganske (Jahreszeiten-Verlag, Hoffmann und Campe), dessen Chefredakteur Manfred Bissinger (Die Woche) und Boetticher.

Die eigentliche Überraschung bestand nicht in der Einstellung des einstigen DDR-Renommierblattes, das zu seinen Glanzzeiten 1,3 Millionen Exemplare verkaufte, sondern im Einstieg Boettichers beim Woche-Verlag mit einer Beteiligung von 46 Prozent. Die zweite Überraschung: Der Münchner Burda-Verlag, der sich vor gut einem Jahr mit 25 Prozent an der Woche beteiligt hatte, gab seine Anteile zurück. Der von Boetticher für die Woche entrichtete Kaufpreis besteht nach Informationen der ZEIT in Abonnnentenkartei und Titel der Wochenpost.

Damit will Chefredakteur Bissinger nun eine wöchentliche Beilage seines Blattes schmücken. So werde er, hofft Bissinger, seine Woche zur "gesamtdeutschen Wochenzeitung" machen. Um das zu realisieren, will er auch einige Journalisten der Wochenpost anheuern. Ein erstes Bild konnte er sich vergangenen Freitag bei einem Besuch im Verlagshaus in Berlin-Kreuzberg machen.

Am Vorabend hatte die Redaktion im Szenelokal "Gorgonzola Club" ihren Frust hinuntergespült und sich gemeinsam an schöne Zeiten erinnert. Beklagt wurde das unzureichende Engagement des Hamburger Verlags Gruner + Jahr - vormaliger Wochenpost-Eigner und zuletzt Minderheitsgesellschafter. So habe G + J die Akquisition von Anzeigen lediglich "als Pflichtveranstaltung betrieben". Die fehlenden Anzeigenerlöse hätten am Ende den Ausschlag gegeben, die Zeitung mit einer Auflage von zuletzt gut 105 000 Exemplaren einzustellen. Ein Konkurs, daran ließ Boetticher keinen Zweifel, wäre ihn billiger gekommen. So gilt nun der bereits 1991 mit G + J ausgehandelte und von Boetticher 1995 übernommene und fortgeschriebene Sozialplan für die 49 festen und 18 freien Mitarbeiter.

Chefredakteur Jürgen Busche, der am Donnerstagabend um 18 Uhr nach Hause ging, um sich einen ruhigen Abend "mit einem Buch" zu machen, tröstete seine Mitarbeiter zuvor bei einer verunglückten Weihnachtsfeier der Wirtschaftsredaktion: "Wir haben ein Jahr lang eine wunderbare Zeitung machen können - das haben wir Herrn Boetticher zu verdanken." Für die Redaktion bleibt Enttäuschung ("Es fing gerade an, interessant zu werden").