ZEIT: Wie stehen Sie zum Tourismus? Soll man nach Birma reisen, obwohl dort ein Militärregime herrscht? Khin Maung Yin: Im September trafen sich sieben deutsche Birma- und Menschenrechtsgruppen, um dieses Thema zu diskutieren. Wir haben uns darauf geeinigt, den Tourismus nicht zu fördern, aber auch nicht zum Boykott aufzurufen. Wer nach Birma reisen will, soll es tun. Allerdings wünschen wir uns politisch wache Gäste mit Umweltbewußtsein.

ZEIT: Welche Vorteile könnte es haben, wenn Birma zum Reiseland wird?

Khin Maung Yin: Seit 1962 waren die Menschen in Birma total isoliert. Sie hatten keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Ich durfte das Land im vergangenen Jahr erstmals wieder besuchen und habe festgestellt, daß die Bevölkerung große Sehnsucht nach Begegnungen mit Besuchern aus anderen Ländern hat. Weil jetzt auch Einzelreisende ein Visum bekommen können, wird es zwangsläufig Berührungen mit den Einheimischen geben. Davon erwarten wir uns mehr Aufklärung über die Situation in Birma und mehr Unterstützung aus dem Ausland. Zwar ist es den Bewohnern immer noch verboten, mit Ausländern über die politische Lage zu sprechen. Doch je mehr Gäste kommen, um so schwieriger wird die Kontrolle.

ZEIT: Fürchten Sie nicht, daß der Tourismus das Regime stützt, weil damit Geld ins Land kommt?

Khin Maung Yin: Das glaube ich nicht, zumal niemand weiß, wieviel Devisen wirklich in Birma bleiben.

Horst Reiter: Natürlich ist es ein Vorteil, daß die Bevölkerung Kontakt zur Außenwelt bekommt. Ich würde trotzdem von Reisen zum jetzigen Zeitpunkt abraten. Oft sind die Militärs oder ihre Angehörigen an den großen Hotels und Boutiquen beteiligt. Zudem verdient das Regime an dem Zwangsumtausch für Touristen, dem ein sehr ungünstiger Wechselkurs zugrunde liegt. Und auch die zusätzlichen Steuereinnahmen stabilisieren das System.

ZEIT: Welche Gefahren birgt der Tourismus für das Land?