Eine Wundertüte im XXL-Format, aber Talmi ist nicht drin. Gleichwohl: Wer so naiv ist, sie am Sonntag nachmittag verfuttern zu wollen, der stöhnt, mit Themensalat überfressen, spätestens auf Seite 369 auf: Es reicht! Man möchte doch noch Richard Ford lesen, ein bißchen im eigenen Blatt stöbern. Aber nein, nun legt Matthias Frings (Pro Sieben) mit "liebe sünde" in gedruckter Form los: "Journalismus fühlt sich sonst für alles zuständig, warum sollte gerade", so fragt Herr Frings, "über Sexualität geschwiegen werden?" Wer tut denn das noch?

Amica, mit dem inzwischen durch H & M berühmt gewordenen schwarzen Mannsbild auf dem Titel, nennt sich das "Frauenmagazin mit EQ". Das ist der "emotionale Quotient", denn bloß intelligent zu sein reicht nicht aus im Leben. Wir ahnten es bereits. Trotzdem: dazu auch gleich eine Geschichte im 392-Seiten-Blatt (140 Seiten Anzeigen; 12 Millionen Mark für die Werbung, 25 Millionen Gesamtinvestitionen laut Branchenpresse). Sie ist sauber und ausführlich geschrieben - Amica will keinen Häppchenjournalismus. Unterm Strich allerdings wirkt der Inhalt banal, wird auch in keiner Weise kritisch unter die Lupe genommen. Aber ist doch irgendwie unterhaltsam.

Bunt, opulent, informativ, wenn auch wenig reflektiert ist das meiste in dieser ersten Nummer des Monatsmagazins (Preis: fünf Mark) aus der erfolgreichen Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße, die auch Max, TV Spielfilm und Fit for Fun macht. Man hat gut eingekauft: Photos von Richard Avedon, Annie Leibovitz, Herb Ritts. Ihre Objekte: die Stars und Medienmoguln von Hollywood - Schwerpunktthema dieses ersten Heftes. Jodie Foster verrät: "Regisseure müssen stark und autoritär sein. Ich bin es." Sharon Stone weiß: "Wenn du eine Vagina und Verstand hast, bist du schon so gut wie tot." Ein Fundstück das Interview mit Dawn Steel, einst erster weiblicher Studioboß: "Einige mußte ich in den Hintern treten, einige zum Lachen bringen und einige feuern."

Auch ein hübscher Einfall: die "Potsdamer Konferenz" zwischen Regine Hildebrandt und Dieter H., Kabarettist. Oder: "Zwei Menschen - ein Beruf": Promi-Friseur Gerhard Meir und Norma Hillyard, die am Rande der Tundra von Labrador Locken dreht. Oder: der "Bundesbutler", Roman Herzogs persönlicher Betreuer ("Während draußen Brasilien ist, sorgt Liebertz drinnen für Deutschland").

Umfragen, Graphiken, Info-Kästen: Amica setzt auf Infotainment, auch bei der Mode entgeht man nicht diesem Beiwerk. Aber leider, leider: Richtig guter Modejournalismus a la Suzy Menkes - auch bei der ambitiösen Amica wird er gar nicht erst versucht. Auch ernst will man sein: Mostar, Gülle, Strahlung und Lärm in Deutschland. Mutter bringt ihr todkrankes Kind um, Menschenrechte für Affen. Muß das sein? Wirklich ganz daneben ist nur "ZAK"-Friedrich-Küppersbusch mit Freundin. "Lebensberatung" sollen sie machen. Unsäglich.