Die deutschen Hochschulen sind unterfinanziert. Diese unbestrittene Tatsache führte zu einem Stopp des Ausbaus der Fachhochschulen und seit Jahren zu überlangen Studienzeiten und chaotischen Studienverhältnissen. Die Finanzierungslücke ist von den Finanz- und Kultusministern bereits im Jahr 1993 auf vier Milliarden Mark jährlich beziffert worden. Die Bildungspolitiker scheinen der Ansicht zu sein, die Finanzierungslücke allein mit strukturellen Reformen durch Effizienzgewinne schließen zu können. Das ist ein Irrglaube. Zwar spricht dies beileibe nicht gegen notwendige Veränderungen im Aufbau und Management des Hochschulsystems, im Gegenteil. Aber allein durch strukturelle Reformen läßt sich das Problem nicht lösen.

Neue Finanzierungsquellen sind für die Qualitätssicherung des deutschen Hochschulsystems notwendig, die jungen Menschen haben Anspruch auf eine international wettbewerbsfähige Bildung. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder die Frage nach einem Finanzierungsbeitrag der Studierenden zum Hochschulsystem auf. Tatsächlich könnten 2000 Mark pro Kopf und Jahr (bei knapp 1,9 Millionen Studierenden entsprechend 3,8 Milliarden Mark) die Finanzierungslücke von 4 Milliarden Mark fast schließen. Hierüber gilt es möglichst sachlich zu diskutieren. Im wesentlichen gibt es fünf Argumentationsbereiche, die für oder gegen einen Beitrag der Studierenden sprechen.

I. Bildungspolitische Argumente

Wir leben in einer wissenschaftsbasierten Gesellschaft, dementsprechend müssen breite Schichten gebildet sein. Unsere Gesellschaft braucht viele Studierende, auch wenn immer wieder anderes behauptet wird. Denn erstens ist die Arbeitslosigkeit bei Akademikern unterdurchschnittlich (sechs gegenüber zehn Prozent), und zweitens liegt Deutschland mit dreißig Prozent Studierenden eines Altersjahrgangs gegenüber Großbritannien (vierzig) oder den Vereinigten Staaten (knapp fünfzig Prozent) keineswegs am oberen Ende der Bildungsskala.

Wohlfeil ist das Argument, durch Einführung von Gebühren würde die Studierneigung sinken. Die Erfahrungen anderer Länder signalisieren jedoch keine abschreckende Wirkung von Gebühren. So stiegen 1989 die Studienanfängerzahlen in Australien nach Einführung einer Gebühr (2070 Mark pro Jahr) sogar überproportional an. An der Universität Zürich sank zwar die Zahl der Studierenden nach stufenweiser Einführung von Gebühren (auf 1200 Schweizer Franken pro Semester) insgesamt drastisch; keineswegs aber die Studienanfängerzahl, die konstant blieb.

Der Gedanke, sich für ein Studium zu verschulden, ist in Deutschland gewöhnungsbedürftig. In anderen Bereichen, etwa der Handwerkerausbildung zum Meister, ist es üblich. Allerdings gilt es sicherzustellen, daß kein Studierwilliger aus finanziellen Gründen die Hochschule meidet.

II. Sozialpolitische Argumente