Weil der zunehmende Sextourismus den normalen Fremdenverkehr zu behindern beginnt, hat die kubanische Regierung drastische Maßnahmen ergriffen. Kuba, und dort insbesondere die Hauptstadt Havanna und das Badezentrum Varadero an der Nordküste, entwickelt sich nach Thailand und den Philippinen zur neuen Anlaufstelle des internationalen Sextourismus. Seit der Dollar von der Regierung als zweite Landeswährung legitimiert wurde, sind nicht nur die Güter des gehobenen Bedarfs, sondern auch Milch und Fleisch in ausreichenden Mengen oft nur noch gegen Dollars zu erhalten. Die Not treibt zahlreiche junge Frauen, oft auch minderjährige Mädchen, aus allen Teilen des Landes in die Touristenzentren, wo sie vor den Toren der Hotels und Restaurants immer unübersehbarer und massenhaft ihre Dienste anbieten.

Auf diese neue Situation war die internationale Junggesellengemeinde im Verlauf des Jahres 1995 in solch unerhörtem Ausmaß eingeschwenkt, daß im Badeort Varadero, der den Hauptteil aller Kuba-Urlauber beherbergt, der normale Bade- und Erholungsbetrieb von Familien beeinträchtigt wurde. Beschwerden und Stornierungen häuften sich.

Zum Jahreswechsel hat die kubanische Regierung nun alle Hotels der Insel streng angewiesen, alleinstehenden Kubanerinnen jeglichen Zugang zum Hotel und vor allem zu den Zimmern der alleinreisenden männlichen Gäste zu untersagen. Staatliche Kontrolleure sind in Havanna und Varadero unterwegs, um die Einhaltung dieser Verordnung zu überprüfen.

Sofern sie sich gegen Bestechungsgelder als resistent erweisen, können sie zuwiderhandelndes Hotelpersonal zur Rechenschaft ziehen und gegebenenfalls entlassen. Nach Berichten von Reiseleitern riskieren alleinreisende Touristen, die unter Einsatz von Bestechungsgeldern versuchen, die Verbote zu umgehen, Strafen, die im Einzelfall Geldbußen oder im Wiederholungsfall sogar einen Verweis von der Insel bedeuten können.

Im Badeort Varadero wurden außerdem Fälle bekannt, bei denen durch vorher getroffene Absprachen von Hotelpersonal und staatlichen Stellen ertappte Sextouristen eingeschüchtert und zur Zahlung privater Schweigegelder angehalten wurden.

Im Dezember 1995 und Januar 1996 haben deswegen zahlreiche Single-Urlauber, die von dieser Entwicklung vor Ort überrascht wurden, die Insel vorzeitig wieder verlassen. Nur die wenigsten griffen die Anregungen der örtlichen Reiseleiter auf, anstelle des Sexurlaubs eine mehrtägige Bildungsreise nach Trinidad, Pinar del Rio oder Cienfuegos zu unternehmen.