Vorneweg der Diener, der auch Chauffeur, Übersetzer und Ausrufer ist: Roberto Brunner sein Name. Dahinter der Meister, Alberto Tomba. Als der italienische Slalomstar mit der Figur eines Halbschwergewichts das Pressezentrum von Kitzbühel betritt, öffnet die Menge ehrfurchtsvoll eine Gasse für ihn. Die Baseballkappe auf der kurzgeschnittenen Wuschelwolle. Die gesunde Gesichtsfarbe eines Paparazzo. Die Miene, wie immer vor dem Start, in der Schwebe zwischen Granteln und Witzeln.

Ein strahlender Winternachmittag in Kitzbühel. Die Streif ist bezwungen, Günther Mader, ein Österreicher, hat das Abfahrtsrennen gewonnen. Das Publikum hat applaudiert. Ausgeflippt vor Begeisterung, Glück oder Gier nach mehr ist es nicht. Normaler Geschäftsgang im Skizirkus.

Wenn Tomba kommt, ist das anders. Fünfmal so viele Kamerateams wie zu Maders Siegeskonferenz warten im Saal auf die Eröffnung des längst bekannten Geheimnisses: Tomba hält hof. Was hält er noch? Eine Unterhose hoch. Sie trägt seinen Spitznamen: "la Bomba". Den bekam er verpaßt, weil er so pummelig gebaut ist und 32 Weltcuprennen gewonnen hat, im Vorjahr sogar den Gesamtweltcup.

Vor ein paar Wochen veröffentlichte ein italienisches Magazin ein in der Sauna aufgenommenes Nacktphoto Tombas. Dem geschäftstüchtigen Photographen warf Tomba einen Siegespokal nach, und weil ihm vieles auf Anhieb gelingt, traf er. Die Geschichte wurde zur Gründungslegende der Dessous-Neuheit.

Unternehmen Tomba. In den dreißiger Jahren verkaufte der Großvater in Bologna exklusive Herrenmode. Das Geschäft ging gut in der hochpreisigen Stadt. Alberto Tomba II., der Enkel, wurde in vermögende Verhältnisse geboren. Sein Vater Franco Tomba hat Großvaters Modefirma zu einem Textilimperium ausgebaut, er ist Großgrundbesitzer und angeblich einer der zehn reichsten Männer Italiens.

Skifahren lernte der kurz vor Weihnachten 1966 geborene Bengel in Cortina d'Ampezzo, wo die Tombas ein Haus besitzen. Zehn Jahre zuvor hatte hier Toni Sailer, der größte Skifahrer der Nachkriegszeit, alle drei olympischen Alpinwettbewerbe gewonnen. Tomba sollte für dieselbe Anzahl an Goldmedaillen zwei Winterspiele benötigen. Er gewann 1988 in Calgary den Slalom und den Riesenslalom, vier Jahre später in Albertville nochmals den Riesenslalom. 1994 in Lillehammer brach er ein: Silber im Slalom, sonst nichts. Er ist der erste Alpine, der in zwei aufeinanderfolgenden Spielen in derselben Disziplin siegte. Die Abfahrt und den Super G meidet Tomba. Aus Angst und wegen Mama. "Sie will nicht, daß ich mir weh tue." Eine italienische Familiensatire.

Roberto Brunner erklärt es so: "Das isch a Bua aus der Stadt." Im singenden Dialekt beschreibt der frühere Kurzwarenvertreter aus Südtirol den einzigen Popstar des Winters. Die Buben aus den Alpentälern kennen nur die Berge - Tomba kennt auch die Großstadt, und deshalb gesellt sich bei ihm zur Härte des Skiläufers die urbane Geschmeidigkeit. Der Kammerdiener übersetzt die Wünsche seines Herrn in fremde Sprachen, nimmt ihm im Zielraum die Arbeitskleidung ab, reicht ihm Jacke, Kappe, Brillen, Skier. Und schließlich wischt er noch dem Papst des Parallelschwungs die Flöckchen aus dem Mundwinkel, nachdem der rituell den Schnee geküßt hat.