Über dreihundert Seiten und eine These: Die Alliierten der Anti-Hitler-Koalition haben, so meint der kanadische Historiker James Bacque in seinem neuen Buch, den Greueltaten der Nazis vergleichbare, wenn nicht sogar schlimmere Verbrechen auf dem Kerbholz. 9,3 Millionen Deutsche hätten nach Kriegsende Rachsucht und Vergeltungswut der Sieger mit dem Leben bezahlt: 1,4 Millionen Kriegsgefangene, 2,1 Millionen Vertriebene und 5,7 Millionen Hungertote, Opfer verweigerter Nahrungsmittelhilfe u nd einer maß- wie ziellosen Sabotage, weil es angeblich wichtiger war, noch Intaktes zu zerstören, als Verkehrswege wieder herzurichten oder die Menschen mit dem Nötigsten aus Industrie und Landwirtschaft zu versorgen. Bacque spricht von Vorsatz und niedrigen Beweggründen, ebenso kühl kalkuliert und in die Tat umgesetzt wie das anschließende Verwischen der Spuren. Keiner der 5,7 Millionen Hungertoten sei registriert worden, sie lägen verscharrt in geheimgehaltenen Grabstätten.