Heute habe ich beschlossen, daß ich, wenn ich groß bin, in die Kalahari-Wüste gehen werde, um dort den Buschmann ausfindig zu machen." Diesen Satz schrieb Laurens van der Post am 13. Oktober 1914, zwei Monate vor seinem achten Geburtstag, in sein Tagebuch.

Es sollte jedoch noch einige Jahrzehnte dauern, bis er diesen Plan verwirklichte. Dazwischen lagen der Beginn seiner schriftstellerischen Karriere, ein weiterer Weltkrieg und dreieinhalb Jahre japanische Kriegsgefangenschaft.

Als dreizehntes von fünfzehn Kindern holländischer Einwanderer auf einer Farm in Südafrika geboren, wurde Laurens van der Post von dem Kindermädchen Klara aufgezogen, deren Mutter eine Buschmannfrau war. Klara machte ihn mit der geistigen Welt ihres Volkes vertraut, und diese Erzählungen veranlaßten van der Post, vierzig Jahre später in die Kalahari aufzubrechen.

Das Ergebnis dieser Expedition sind zwei Bücher: "Die verlorene Welt der Kalahari" und "Das Herz des kleinen Jägers". Darin werden die Strapazen der Reise beschrieben und die Begegnung mit dem Buschmann in den entlegensten Gebieten Afrikas sowie die behutsame Annäherung der beiden Kulturen geschildert. Zögernd nur fassen die Buschmänner Vertrauen zu dem Fremden, und erst nach vielen vergeblichen Versuchen van der Posts erzählen sie ihm ihre Schöpfungsgeschichte: von Dxui, dem Urgeist der Schöpfung, und Oeng-Oeng, dem ersten Buschmann. "Wenn ich aus dem Schutt unserer Vergangenheit etwas von jenem Zauber gerettet habe, von dem, wie ich glaube, der Geist des Buschmanns erfüllt war, . . . dann will ich mehr als zufrieden sein", sagt van der Post in "Das Herz des kleinen Jägers".

Das friedliche Zusammenleben verschiedener Rassen und Kulturen ist van der Posts Hauptthema und -anliegen. Es klingt bereits in frühen Expeditionsberichten wie dem "Vorstoß ins Innere" an, dem Buch, dem er den Untertitel "Afrika und die Seele des 20.

Jahrhunderts" gab. Die Idee der friedlichen Koexistenz beherrscht auch das fiktionale Werk wie die Afrikaromane "Flamingofeder" und "Wenn Stern auf Stern aus der Milchstraße fällt" oder die Japangeschichten, von denen die bekannteste wohl die Weihnachtstrilogie "Das Schwert und die Puppe" ist. Sie wurde 1982 unter dem Titel "Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence" von dem japanischen Regisseur Nagisa Oshima verfilmt.

Doch van der Post begnügte sich nicht damit, Geschichten zu Papier zu bringen. Auf die Bitte seines Dolmetschers sprach er nach der Kalahari-Expedition mit einem hohen Regierungsvertreter, um den Buschmännern uneingeschränktes Jagdrecht in der Kalahari zuzusichern.