Um Mitarbeiter anzuspornen, hat jeder Topmanager im Silicon Valley seinen eigenen Spruch: "Wir wollen einen Computer bauen, der die Welt verändert", predigte Steven Jobs, ehemaliger Chef des Computerkonzerns Apple, seinen Untergebenen in den achtziger Jahren. Scott McNealy, Boß des Konkurrenten Sun Microsystems, übt sich dagegen im Jargon eines amerikanischen Football-Trainers: "Tretet sie in den Hintern, und habt Spaß dabei."

Kein Wunder, daß zwischen den von Jobs und McNealy mitgegründeten Unternehmen kulturell Welten liegen: Apple wurde manchmal wie eine Kirche geführt. Sun geht es vor allem um Marktanteile. Und deswegen war die Skepsis mancher Experten auch groß, als das Wall Street Journal vergangene Woche meldete, der angeschlagene Hersteller der Macintosh-PCs werde demnächst durch den erfolgreichen Produzenten von Netzcomputern geschluckt.

Aber die Fusion wäre schon sinnvoll, auch wenn sich die Verhandlungen hinziehen - und vielleicht noch scheitern werden, weil sich beide Seiten nicht auf einen Kaufpreis einigen können. Zusammen mit Apple könnte Sun nämlich zum zentralen Geräteanbieter des Internet werden.

Der Anfang der Apple-Saga ist weltbekannt: Gemeinsam mit seinem Freund Steve Wozniak bastelte Steve Jobs Mitte der siebziger Jahre in einer Garage die ersten Personalcomputer. Sun begann ähnlich: Anfang der achtziger Jahre entwickelte der Deutsche Andreas Bechtolsheim, damals noch Doktorand im kalifornischen Stanford, einen leistungsfähigen Kleinrechner namens Sun, der Abkürzung für Stanford University Network.

Doch die beiden jungen Computerfirmen gingen unterschiedliche Wege. Apple konzentrierte sich mit seinem Macintosh - dem "Rechner für den Rest von uns" - auf den Massenmarkt. Sun produzierte dagegen sogenannte Workstations, ein Zwischending von Personalcomputern und Großrechnern. Mit ihnen entwerfen Ingenieure am Bildschirm neue Maschinen oder lösen Wissenschaftler in Windeseile komplizierte Gleichungen.

Auch bei der Software hatten die Unternehmen nicht die gleichen Vorstellungen. Apple weigerte sich bis vor einem Jahr, Lizenzen für das besonders nutzerfreundliche Betriebssystem des Macintosh zu vergeben, um sich vor billigen Nachahmern zu schützen. Sun lud seinerseits die Konkurrenz 1987 praktisch dazu ein, nicht nur sein Unix-Betriebssystem, sondern auch seinen Sparc-Chip zu kopieren - um auf dem Markt der Workstations einen einheitlichen Standard zu schaffen.

Zudem hatten die beiden Aktiengesellschaften unterschiedliche Visionen von der Computerzukunft. Apple sah seine Macintosh-Rechner eher als unabhängige Maschinen, die es zu perfektionieren galt.