Nach dem Mord an Jitzhak Rabin erschien im Internet eine deutschsprachige Pressemitteilung, die den Tod des "Kriegsverbrechers Rabin" feierte.

Verfaßt hatte sie der in Kanada lebende Ernst Zündel, ein berüchtigter "Menschenrechtsaktivist", dessen Mission es ist, die Geschichte des Holocaust als "Lüge" zu entlarven.

Zündel hält sein Material seit langem im World Wide Web vorrätig; es ist dort frei zugänglich. Die Repräsentanz des Auschwitz-Leugners, bekannt unter dem Namen Zundelsite, nützt die neuesten Techniken des Internet. Besucher dürfen sich Zündel- und Hitler-Reden anhören, auch digitalisierte Werbefilme der "arischen Kämpfer" sind zur Hand.

Am Donnerstag letzter Woche nahm die Mannheimer Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Online-Anbieter Deutsche Telekom und Compuserve auf. Der Vorwurf lautet auf "Beihilfe zur Volksverhetzung". Man kann nämlich Zündels Web-Seiten auch über diese beiden Dienstleister erreichen.

Damit beginnt eine neue Runde in dem komplizierten Verfahren, mit dem die deutsche Justiz das Internet zu begreifen sucht. Der praktische Erfolg dürfte gering sein: Zündels Machwerke sind im Internet ebensowenig auszusperren wie die Diskussionsgruppen mit womöglich pornographischem Stoff, die sich Ende letzten Jahres die Münchner Staatsanwaltschaft ausgesucht hatte.

Zwar hat die Telekom bereits dafür gesorgt, daß man von ihrem Dienst T-Online aus die Zundelsite nicht mehr direkt aufrufen kann. Indirekt geht es aber nach wie vor. Es genügt beispielsweise, eine der Suchmaschinen des Internet anzuwerfen, die das ganze Netz nach Stichwörtern abgrasen. Sie präsentieren ihr Ergebnis in Form einer Liste, über die man das gewünschte Material sogleich per Mausklick auf den Bildschirm holen kann.

Dennoch schwebt das Zeug nicht ungreifbar durch die Lüfte. Irgendwo muß es deponiert sein. Es gibt Firmen, die bereit sind, dafür Platz auf ihren Netzrechnern zu vermieten. Meist bekommen sie deswegen keine Probleme, außer ein paar Hacker fangen damit an, diese Netzrechner systematisch zu blockieren. In der Regel müssen die Neonazis dann weiterziehen.