Wie kommt man nach Nennhausen? Wenn man mit dem Auto fährt, ist es egal, aus welcher Richtung man anreist: In jedem Fall führt der Weg zu dem kleinen Ort in der märkischen Provinz stundenlang über mäßige Landstraßen. Die kleinen Wege verzweigen sich, Ortsnamen wie Barnewitz, Garlitz oder Mützlitz transportieren Lokalkolorit.

Die Gegend ist fast menschenleer. Abends sind viele Häuser der Dörfer ohne Licht, ohne ein Zeichen von Bewohnern.

Nennhausen ist auf den ersten Blick ein Ort wie viele andere.

Ein paar Straßen, eine alte Kirche; die Gebäude im Zentrum repräsentieren auf engem Raum Übergänge und Brüche der letzten Jahrzehnte: Der Kirche gegenüber bestimmt ein rotbesterntes Monument für sowjetische Gefallene das Gesicht des Platzes, umringt vom Gemeindehaus, dessen Fachwerkbau säuberlich herausgeputzt ist, einem neuen Gartenbaumarkt und dem "Musik-Café Focus"; schließlich, etwas versteckt, ein Schloß, hinter dem ein verwilderter Park seinen Anfang nimmt.

Man braucht einen guten Grund, um sich bis nach Nennhausen durchzuschlagen.

Und es liegt an dem Schloß, daß sich immer wieder Besucher von weit her auf den Weg in den kleinen Ort machen. Sie sind auf der Suche nach Spuren, die der wohl berühmteste Nennhauser hinterlassen hat: der Baron Friedrich de la Motte Fouqué, in dessen gastfreiem Gut dreißig Jahre lang bedeutende Literaten und Militärs, Künstler und Diplomaten ein und aus gingen.

Dabei war Fouqué eigentlich selbst nur ein Gast auf dem Gut. Der verabschiedete Offizier und angehende Dichter hatte Caroline von Rochow, die Tochter des Eigentümers, im Berliner Salon der Schlegels kennengelernt und 1803 geheiratet. Um für Caroline frei zu sein, hatte er sich von seiner ersten Frau scheiden lassen und dabei alle Schuld auf sich genommen: So kam er völlig mittellos nach Nennhausen und lebte in permanenter Abhängigkeit von Caroline und seinem Schwiegervater. Dieser stand einer großen Hausgemeinschaft aus vielen Verwandten und Freunden vor, die durch häufigen Besuch erweitert wurde. Fouqué war zunächst nichts als der neue Schwiegersohn (der frühere hatte sich einige Jahre zuvor erschossen), dem man eine beginnende literarische Karriere nachsagte.