Vierzehn Tage nach dem Feuer steht das ausgebrannte Asylbewerberheim vernagelt am Lübecker Hafenrand. Die Ermittler schweigen zu allen Spekulationen über Tat und Motiv. Während die Überlebenden der Feuersbrunst schon in jene Wohnungen ziehen, die ihnen Bürgermeister Michael Bouteiller nach dem Brand versprochen hatte, findet der Lübecker Verwaltungschef seine Juristensprache wieder: Dessen Aufruf zum zivilen Ungehorsam sei nur eine Anregung an die zuständigen Behörden gewesen, vorhandene Ermessensspielräume "adäquat" zu nutzen - zivile Aktivität statt ziviler Ungehorsam also.

Schleswig-Holsteins Innenminister Ekkehard Wienholz belohnt diesen Rückzieher seines SPD-Parteifreundes prompt mit der Einstellung des disziplinarischen Vorermittlungsverfahrens. Währenddessen köcheln andere Debatten hoch: über Reformen des Ausländerrechts; über vorschnelle Kommentare und sensationslüsterne Bilder in den Medien; über linke "Betroffenheitsrituale", auf die höhnisch die neue Rechte eindrischt, sekundiert von stolzen Deutschen, deren Drohbriefe sich im Lübecker Rathaus stapeln. Einer wünscht dem Bürgermeister "ein süßes Briefbömbchen" an die Hand.

Je größer anfangs der Schock, desto beklemmender wirkt später die Rückkehr zum Alltag.