Was machen eigentlich die Grünen im Bundestag? Sie bereiten sich darauf vor, ihre wirtschafts- und sozialpolitische Kompetenz zu beweisen. Nachdem die Linken in der Fraktion den realpolitischen Fachfrauen und -männern diese gerade abgesprochen haben, holen die Attackierten zum Gegenschlag aus. Etwa um Ostern herum sind verschiedene programmatische Vorstöße geplant: Die Finanzpolitikerin Christine Scheel und der Haushaltsexperte Oswald Metzger wollen ein Modell für ein vereinfachtes Steuersystem vorstellen, das sich an amerikanische Vorbilder anlehnt. Abzugsmöglichkeiten und Ausnahmen sollen radikal beschnitten werden; im Gegenzug könnte der Höchststeuersatz von 53 Prozent auf 37 Prozent sinken. An die Stelle eines linearen Tarifs soll ein Stufentarif treten.

Auch die Wirtschafts- und Sozialpolitiker werden in die Pflicht genommen - schließlich müssen die Grünen "definitiv politisch erwachsen werden", wie Fraktionssprecher Joschka Fischer festgestellt hat. Sozialexpertin Andrea Fischer soll vorrechnen, in welchem Umfang und wie das frühere grüne Lieblingsprojekt zu finanzieren ist: die soziale Grundsicherung. Auf einen Betrag hat sich die Fraktion bisher noch nicht festgelegt. Eine beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Auftrag gegebene Studie soll das Umverteilungspotential einer reformierten Erbschaft- und Vermögensteuer ermitteln. Der Wirtschaftspolitikerin Margareta Wolf schwant bereits: "Bei der Vermögensteuer ist das vermutlich gleich Null." Der Arbeitskreis Soziales plant für alle Fälle schon mal eine Debatte über Sozialkürzungen.

Frau Wolf steuert zur grünen Kompetenz-Offensive Überlegungen zu den Konsequenzen der wirtschaftlichen Globalisierung und zur Mittelstandspolitik bei. Marieluise Beck und Annelie Buntenbach werden den grünen Entwurf für ein neues Arbeitszeitgesetz aktualisieren, der aus den achtziger Jahren stammt.

Bei vielen dieser kontroversen Themen hat die Fraktion sich bisher nicht festlegen müssen. Die Debatte wird dafür sorgen, daß Ostern im grünen Sprengel kein harmonisches Fest wird - doch für die Öffentlichkeit kommt das Ganze ein bißchen spät, da läuft die Diskussion schon längst.

In der CDU/CSU-Fraktion herrscht Unmut über das federführend von Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt vorbereitete wirtschaftspolitische Aktionsprogramm der Bundesregierung: Die Abgeordneten fühlen sich wieder einmal übergangen. "Zu sagen, die Fraktionsführung hätte es mitberaten, wäre etwas übertrieben", heißt es mißmutig. Die Einbeziehung habe darin bestanden, daß Rexrodts Staatssekretär Johannes Ludewig "bei Wolfgang Schäuble auftauchte, ein Papier aus seinem Aktenköfferchen holte, den Inhalt vortrug, das Papier wieder wegsteckte und ging".

Obwohl sie vom Bundeskabinett ausgebremst wurde, will die Unionsfraktion ihre eigene Gruppe "Standortoffensive", die der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Repnik leitet, weiterarbeiten lassen. Wie im Aktionsprogramm auch geht es der Union darum, Ansatzpunkte für mehr Wachstum und Beschäftigung zu finden. Repnik ließ unterdessen Meldungen dementieren, er wolle sich aus dem Bonner Geschäft zurückziehen und kandidiere für das Amt des Oberbürgermeisters in Konstanz.