Die Bücher, die über Ägypten in der letzten Zeit erschienen sind, decken das ganze Interessenspektrum ab: Führer, die einen eher generellen Überblick über das Land und seine Geschichte bieten; daneben Werke, die sich einzelne Bereiche genauer ansehen, historische Perioden genauso wie große Baudenkmäler.

Informativ, trotz seiner Handlichkeit recht üppig ausgestattet, kommt Ägypten (DuMont visuell, Köln 1995; 560 S., 48,- DM) daher. Ein Reiseführer der neueren Art, der sich im Gegensatz zu den mehr textorientierten Handbüchern vor allem an optisch ansprechbare Reisende wendet, illustriert mit Bildern, Zeichnungen, Photographien oder baulichen Aufrissen. Die einzelnen Abschnitte decken fast alle Themen ab: Religion und Bautechnik zur Zeit der Pharaonen, die Geschichte der Ausgrabungen, Ägypten in Literatur und Film, dazu Reiserouten und Reiseziele. Bei diesem Themenumfang können die einzelnen Topoi natürlich nur kurz abgehandelt werden - aber die dazugehörigen Texte sind detailfreudig, exakt und kundig, eine Mischung aus historisch-kulturellen und politischen Informationen.

Basisinformationen bietet auch Michael Rauch, Ägypten. Merian live! (Gräfe und Unzer 1994; 128 S., 12,80 DM).

Der Band ist offensichtlich gedacht für Touristen mit wenig Zeit, die es sich - angeleitet von Hinweisen auf Einkaufsmöglichkeiten, Toprestaurants, Hotels und schöne Badestrände - möglichst gutgehen lassen wollen. Das Land selbst, seine Geschichte oder gar die aktuelle politische Situation bleiben dabei fast völlig auf der Strecke. Die praktisch-nützliche Seite des kleinen Reiseführers ist jedoch nicht zu unterschätzen.

Zwei etwas üppige Bildbände helfen bei der Vor- und Nachbereitung einer Reise ins Land am Nil: Jaromir Malek (Hrsg.), Ägypten (in der Reihe Kulturreisen, Christian Verlag, München 1993; 192 S. mit vielen Photos, 78,- DM). Dieser Band beschäftigt sich vor allem mit dem pharaonischen Ägypten, die Gegenwart wird nur gestreift, wenn auch nicht ganz ausgeklammert. In kenntnisreichen Essays über Themen wie "Hof und Staat der Pharaonen", "Die Welt der Götter", "Die bildenden Künste" breiten Autoren das Wissen über ihre Spezialgebiete aus - ein deutlich anderer Zugang, als ihn die gängigen Reiseführer anbieten. Die Lektüre verlangt mehr Konzentration und Lust am Wissen, denn trotz der Fülle der Abbildungen sind die Texte das Wesentliche.

Genau das Gegenteil davon ist Ägypten. Ein Porträt in Luftbildern (RV Verlag, München 1993; 160 S., 78,- DM). Der Reiz des Bandes liegt ausschließlich in den 108 Photos von Yann Arthus-Bertrand, setzt also ganz auf die Lust an dessen üppigen und farbigen Aufnahmen, die das heutige Ägypten zeigen. Neben einer kurzen Einführung sind Bildunterschriften die einzigen Texte. Die Photos bestechen durch ihre Schärfe und die eigenwillige Perspektive des Dargestellten. Da sie alle aus der Luft gemacht sind, wirken sie auf ungewöhnliche Weise erhellend, ganz gleich, ob sie das geometrische Muster einer Landschaft aus grünen Feldern zeigen, das Gräbergewirr auf einem modernen Friedhof, die Schlangen liliputanergroßer Touristen vor dem gewaltigen Steinhaufen der Cheops-Pyramide, die Künstlichkeit des neuen Abu Simbel.

Diesem Monument, das in den Wassern des Assuan-Stausees zu versinken drohte und durch eine große internationale Anstrengung gerettet wurde, ist ein ganzer Band gewidmet: Pjotr O. Scholz, Abu Simbel. In Stein verewigte Herrschaftsidee (DuMont, Köln 1994; 216 S., 26,80 DM). Aber dem Verfasser geht es nicht nur um die Beschreibung des monumentalen Bauwerks, das zu einem der bekanntesten Ägyptens gehört. Der Tempel am Rande der Wüste, mit Blick über die blauen Wasser des Assuan-Stausees, gilt der Vergöttlichung des mächtigen Pharaos Ramses II. Abu Simbel entstand zum dreißigsten Thronjubiläum des Herrschers, der 66 Jahre lang regierte und die meisten seiner Söhne überlebte.