Der neue stellvertretende Premierminister Wladimir Kadannikow ist genau der Mann, den Rußlands Wirtschaft derzeit nicht gebrauchen kann. Kadannikow - seit vergangener Woche anstelle des geschaßten Reformers Anatolij Tschubais oberster Wirtschaftspolitiker im Land - war vor seiner Ernennung über sieben Jahre lang Generaldirektor des russischen Autokonzerns AwtoWas, der den Lada produziert.

Unter seiner Leitung ist das Unternehmen an den Rand des Ruins geraten. AwtoWas zählt zu den höchstverschuldeten Betrieben Rußlands und kann den Arbeitern nicht einmal mehr die Löhne auszahlen (siehe auch Seite 28).

Das ließe sich entschuldigen, wenn Kadannikow ein marodes Unternehmen geleitet hätte, dessen Produkte niemand mehr kaufen will. Doch für wohl kaum einen Konzern in Rußland waren in den vergangenen Jahren die Voraussetzungen so günstig wie für Kadannikows AwtoWas: Die Moskauer Regierung hat den inländischen Markt durch hohe Zölle geschützt, so daß ein Lada inzwischen über 6000 Dollar kostet und sich dennoch gut verkauft.

Doch dem Konzern selbst kam davon nur ein kleiner Teil zugute: Verdient haben vor allem Unternehmen wie die Vertriebsgesellschaft LogoWas, die die Autos zu Sonderkonditionen erhalten haben, ohne die Verkaufsgewinne an AwtoWas abführen zu müssen. Auch an der Quasipleite der AwtoWas-Bank, die einmal zu den größten zwanzig russischen Kreditinstituten zählte, trifft Kadannikow eine Mitschuld, schließlich war er ihr Aufsichtsratsvorsitzender. Außerdem steht der Name Kadannikow für technischen Stillstand: Unter ihm als Generaldirektor hat AwtoWas kein neues Modell mehr auf den Markt gebracht.

Angesichts einer solchen Bilanz ist die Frage überflüssig, ob Kadannikow den Reformkurs fortsetzen wird. Er hat sich bisher weder als Spezialist in geldpolitischen Fragen noch auf dem Gebiet der Privatisierung oder anderer institutioneller Reformen einen Namen gemacht. Für genau diese Bereiche wird Kadannikow jedoch zukünftig in der Regierung verantwortlich sein.

Boris Jelzin hat nach eigenen Aussagen Kadannikow vor allem deswegen ins Kabinett geholt, weil er die heimische Wirtschaft hervorragend kenne. Dem Präsidenten müßte jedoch längst klar sein, daß solche "Kenner" in den vergangenen Jahren in Rußland viel Schaden angerichtet haben: Die in der Regierung vertretenen Lobbyisten der alten Staatsindustrie haben dafür gesorgt, daß Regierung und Zentralbank riesige Kreditsummen an Unternehmen vergeben haben. Die Gelder kamen jedoch nur selten der russischen Wirtschaft zugute, sondern haben vor allem auf Bankkonten Zinsen für Politiker, Funktionäre und Direktoren abgeworfen.

Für den Moskauer Ökonom Andrej Illarionow ist Kadannikow denn auch alles andere als ein Hoffnungsträger: "Schauen Sie sich an, was mit AwtoWas passiert ist. Dann wissen Sie, was aus Rußland wird."