So fern. So klein. Siebentausend und einer in der alptraumhaften Hamburger Sporthalle. Es ist nicht allein die Entfernung, die den Zuhörern unter 180 Zentimeter ohnehin keine Chance läßt. Keiner braucht ihn mehr zum Leben, keiner hat David Bowie vermißt.

Donnerndes Baßwummern, ein hundertarmiges Schlagzeug, chaotische Zerr- und Ziehgitarrentöne, kreuz und quer über 88 Klaviertasten, und noch immer Dunkelheit. Und nicht er erscheint, sondern diese unvergleichliche Stimme. The Voice. Lohengrin. Der Übermensch.

Stück um Stück spüren die Altersgenossen Bowies im Publikum, was ihnen zu Hause bei Zimmerlautstärke entgeht, dieses Kribbeln im Bauch, der trockene Druck auf den Ohren, die Hypnose der Beine.

Pausenlos. Und Titel (neu) um Titel (alt) wächst bei manchem der Verdacht, da springe ein beinahe Fünfzigjähriger auf den Zug der Zeit. Lächerlich.

David Bowies Kompositionen hatten selten etwas mit diesem biederen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Strophe zu tun, es sind Pyramidenkonstruktionen.

Schicht legt sich über Schicht, einen Ton höher, noch ein Ton, anschwellend bis zum Höhepunkt, bis zu jenen Zeilen der Verkündigung: "There is no hell!" - leise - "You're wonderful, gimme your hands!"

Der Mann, der vom Himmel fiel, hat sich diesmal eine fast spartanische Kulisse gewählt. Stoffpuppen, einen Holztisch mit Stühlen, fallende Stoffbahnen, Theater der Andeutung. Seine Mitspieler übernehmen Rollen aus verschiedenen Perioden seiner Karriere - Mike Garson, Reeves Gabrels, Carlos Alomar -, die Titel entspringen etwa zur Hälfte seinem neuen Album "1.Outside", zur Hälfte den B-Seiten seines Lebens. Als wolle er beweisen, daß er in jedem Ton zu erkennen sei.