In amerikanischen Buchhandlungen bleiben neue Veröffentlichungen nicht lange in den Regalen. Kurze Zeit nach ihrem Erscheinen sind die Bände meist schon wieder verschwunden, um neuen Produktionen Platz zu machen. Buchnarren, die in Amerika nach einem bestimmten Titel fahnden, erleben da manche Enttäuschung. Und in Deutschland ein vergriffenes, englischsprachiges Buch zu ordern stößt oft gleichfalls auf Schwierigkeiten. Powell's, eine Spezialbuchhandlung für antiquarische Bände in Portland (Oregon), kann jedoch in den meisten Fällen helfen, selbst bei ausgefallenen Wünschen.

Eine regelrechte Buch-Stadt, den größten Buchladen der englischsprachigen Welt, erwartet man nicht hinter den Bergen von Oregon. Powell's City of Books jedoch führt 750 000 Titel in den Regalen und 500 000 Bücher auf Lager. "Unsere Stärke liegt allerdings im antiquarischen Geschäft", sagt Bill Hayes, Manager der "Used Books"-Abteilung von Powell's.

Wem es nicht vergönnt ist, dieses Mekka der Bibliophilie während einer Amerikareise selbst kennenzulernen, kann dennoch Powell's Dienste in Anspruch nehmen. Man faxt die gewünschten Titel an die Adresse in Oregon (Powell's Books, 1005 W Burnside Street, Portland OR 97209, Fax 001-503/228-46 31) und gibt die eigene Kreditkartennummer an. Innerhalb kurzer Zeit erfährt man dann, ebenfalls per Fax, ob die Bücher verfügbar sind. Wenn nicht, fragt das Antiquariat, ob es die Bände besorgen soll, und teilt die Preise der Bücher mit.

Wer sich die Bände mit dem Schiff nach Deutschland schicken läßt, zahlt 4 Dollar für das erste Buch plus 1 Dollar für jedes weitere.

Für Luftpost zahlt man 12,51 Dollar für das erste und 5 Dollar für jedes weitere Buch.

Powell's Stärke ist in der Tat das vergriffene Buch. In den Bücherregalen stehen Literaturgeschichten aus den fünfziger Jahren, Reisebeschreibungen aus den Sechzigern, soziologische, politologische und historische Werke aus den letzten vierzig bis sechzig Jahren. Jedes gekaufte Buch wird in die computerisierte Inventarliste aufgenommen.

Da kommt viel zusammen und der Käufer findet so manches Werk, das er sonst nur aus Universitätsbibliotheken ausleihen könnte.

Die Preise sind angemessen. Wenn ein Werk vor zwanzig Jahren neu zwanzig Dollar gekostet hätte, wird es bei Powell's für etwa zehn Dollar angeboten.

Derzeit beschäftigt Powell's an der Burnside Street 200 Mitarbeiter.

Den Käufern helfen kundige Angestellte an "Infoständen" bei der computerisierten Suche nach den gewünschten Titeln. Für eine entspannte Atmosphäre sorgen nicht zuletzt die amerikanischen Öffnungszeiten: werktags von 9 bis 23 Uhr, sonntags von 9 bis 21 Uhr.

Wird nach einem nicht vorhandenen Titel gefragt, schicken die Buchverkäufer gegen eine Gebühr von zwei Dollar eine Suchmeldung an ein Netzwerk von Antiquariaten in englischsprachige Länder, Neuseeland und Australien nicht ausgenommen. Etwa vierzig bis fünfzig Prozent der Suchaufträge seien erfolgreich, sagt Bill Hayes.

Mike Lamb, Leiter des "phone room", der Schaltzentrale des Unternehmens, ist sehr zufrieden wegen der weltweiten Vernetzung von Powell's.

Besonders stolz macht ihn das Asiengeschäft: "Außer Japan, Singapur und Korea beliefern wir jetzt auch Vietnam." In wenigen Monaten soll eine fünfjährige Aufnahme des Buchbestandes mit Computer abgeschlossen sein. Dann kann jeder verfügbare Band auch on line abgerufen werden.

Damit sie sich in den Buchschluchten zurechtfinden, erhalten Besucher eine "Landkarte" mit der Lage jedes der 122 Sachgebiete, die farblich in sechs Kategorien eingeteilt wurden. In dem Labyrinth von Stockwerken, Sälen, Abteilungen und Regalen tummeln sich Buchfreunde, Forscher und Gelegenheitsgäste. Besonders beliebt ist der "Anne Hughes Coffee Room", ein Kommunikations- und Kulturzentrum für alle, die bei Powell's lesen, plaudern oder etwas Bestimmtes finden wollen. Hier finden Lesungen und Musikabende statt, hier liegt auch die von Powell's publizierte literarische Zeitschrift The Burnside Reader mit Artikeln und Interviews über die Welt der Bücher aus.