Die Lokomotive muß sich fortan ziehen lassen. Seit der Vereinigung hat der Bau die Konjunktur angekurbelt, in diesem Jahr wird er hinter der Gesamtwirtschaft zurückbleiben - und das gleich ein gutes Stück. Während die Volkswirtschaft trotz einiger Lähmungen weiter wächst, wird das Geschäft der Baubranche 1996 aller Wahrscheinlichkeit nach schrumpfen.

Die Bauindustrie schlägt Alarm: 100 000 Jobs würden in diesem Jahr wegfallen, schätzt ihr Verbandspräsident Christian Roth.

1995 habe das gesamtdeutsche Baugewerbe schon rund 5500 Pleiten gezählt, 1996 müßten gar 6000 Firmen aufgeben, sagt der Funktionär, der im Hauptberuf den Mannheimer Baumulti Bilfinger + Berger leitet.

Roths düsterer Ausblick ist mehr als Säbelgerassel vor den anstehenden Tarifverhandlungen. Auch die Gewerkschaft teilt den Pessimismus weitgehend, selbst wenn sie fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert.

Acht Jahre in Folge hat der Wohnungsbau in Westdeutschland zugelegt - eine selten lange Wachstumsphase. Weil die Nachfrage Ende der achtziger Jahre kräftig zunahm und Bund wie Länder große Förderprogramme auflegten, sind die Neubauzahlen seither um 150 Prozent gestiegen.

Die Hälfte ihres Umsatzes macht die Branche mittlerweile mit dem Wohnungsbau. Nun ist der Aufwärtstrend zu Ende. Der Staat hat die Subventionen gekürzt, und Wohnungen zum Neubaupreis von rund zwanzig Mark pro Quadratmeter sucht derzeit kaum noch jemand.

Da hilft es wenig, daß die Ostdeutschen in diesem Jahr mehr Wohnungen bauen werden als im Vorjahr; dort wollen viele Bauherren noch staatliche Sonderprogramme mitnehmen, die Ende des Jahres auslaufen.