Jahrelang fährt man kreuz und quer durch Deutschland und Europa unfallfrei, doch kaum in Amerika, ist die makellose Bilanz hin.

Dabei hatte alles so gut begonnen: Las Vegas empfing uns mit strahlendblauem Himmel und überraschend sommerlichen Temperaturen, der preisgünstige Leihwagen - untere Mittelklasse, aber selbstverständlich mit Klimaanlage und Automatik - stand wie bestellt bereit. Doch schon eine halbe Stunde später in Boulder City, Nevada, knapp zwanzig Meilen westlich von Las Vegas, war's vorbei.

Wir hatten einen Supermarkt angesteuert, um uns wegen der kräftigen Sonne mit Hautschutzcreme zu versorgen. Der Einfachheit halber wollte ich das Auto anschließend nicht rückwärts herausfahren, sondern vorwärts, über das benachbarte, aber gerade unbesetzte Parkfeld. Die halbverfallene gelbe Betonschwelle mit dem nach oben herausragenden Moniereisen, die zwischen beiden Parkplätzen als Abtrennung in den Boden eingelassen war, bemerkte ich erst, als es bereits zu spät war. Direkt beim Anfahren blieb die untere Frontpartie des Wagens deutlich hörbar an dem Hindernis hängen.

Beim prompten Zurücksetzen wiederholte sich das häßliche Kratzgeräusch.

Als ich anschließend unters Auto schaute, war die Urlaubsstimmung dahin: Irgend etwas, ich tippte auf Motoröl oder Kühlwasser, tropfte unübersehbar vom Motorbereich auf den warmen Asphalt. Wir waren uns einig, daß eine Weiterfahrt nicht in Frage käme, wir wollten fachmännischen Rat und Hilfe einholen.

Der Kassierer an der Supermarkttankstelle wies uns den Weg zu einer Werkstatt nur 500 Meter weiter. Der Monteur dort weigerte sich allerdings, auch nur einen Blick unter das Auto zu werfen, und meinte lediglich, wir sollten die Verleihfirma anrufen. Seine Chefin stellte bereitwillig das Telephon zur Verfügung.

Ich wählte die Hotline, die ich in den Fahrzeug-Begleitpapieren gefunden hatte. Im Gespräch mit Susan bekam ich schnell die Grenzen meines Schulenglischs aufgezeigt. Sie wollte irgendwelche näheren Informationen, Zahlen, Nummern, Codes, die ich ihr einfach nicht bieten konnte. "Hold the line, please", war ihre freundliche Standardreaktion.