Im Palacio Narino geht das Licht nicht aus: Packt der Präsident bereits seine Sachen? Ernesto Samper droht, über die Narko-Affäre zu stürzen, über den Vorwurf also, er habe seine Wahl 1994 mit den Dollar der Drogenmafia finanziert. Das hat sein Wahlkampfmanager, der Exverteidigungsminister Fernando Botero, nach fünf Monaten Untersuchungshaft zugegeben.

Es wird einsam um Ernesto Samper. Dem Präsidenten laufen die Minister, Generäle und Botschafter davon. Nun hat auch Kolumbiens Vertreter in Bonn, Ricardo Sala, "aus Gewissensgründen" das Handtuch geworfen.

Längst hat das Rennen um Sampers Nachfolge begonnen. Die regierenden Liberalen streiten sich noch, ob sie Sampers Vize Humberto de la Calle die Macht gönnen sollen. Der Präsident hingegen behauptet, er sei das Opfer einer Verschwörung. Nun will er sein Volk anrufen: Per Plebiszit hofft er seine Macht zu retten. Das Referendum wird das Land spalten und Samper etwas Zeit schenken - aber kann so über Schuld oder Unschuld eines Präsidenten entschieden werden?

Laut Verfassung kann das Land den Präsidenten nur durch eine Anklage und eine Verurteilung aus dem Amt jagen. Zunächst müßte der Kongreß einwilligen. Ein Untersuchungsausschuß hatte vor wenigen Monaten dazu Gelegenheit, sah sich aber wegen "mangelnder Beweise" nicht zum Handeln gezwungen. Jetzt sucht Bogotás politische Klasse nach Auswegen: Auch der Generalstaatsanwalt könnte ja ermitteln.

Falls er es täte, würden noch Monate vergehen. Doch die Uhr läuft: Washington berät bis zum 1. März darüber, ob Kolumbien wegen guter Mitarbeit im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel wirtschaftliche Sonderkonditionen eingeräumt werden. Senkt sich der nordamerikanische Daumen angesichts eines mit Drogengeldern und Mafiakontakten belasteten Staatsoberhauptes, würde der Skandal nicht nur den Ruf des Landes ruinieren, sondern auch Milliarden auf dem größten Exportmarkt kosten.