In einer Charta hat sich der Welttourismusverband verpflichtet, der Kinderprostitution in Reiseländern künftig entgegenzutreten.

Weltweit sind ungefähr zwei Millionen Mädchen und Jungen unter zwölf Jahren zur Prostitution gezwungen. In einigen dieser Länder wird inzwischen durch Kinderprostitution mehr Geld umgesetzt als mit dem Drogenhandel. Diese Einschätzung vertrat Jacqueline de Rey, Vorstandsmitglied des Welttourismusverbandes Universal Federation of Travel Agents' Associations (UFTAA), auf dessen 29. Weltkongreß in Istanbul.

"Wir können uns als Verband nicht in die inneren Angelegenheiten einzelner Länder einmischen, um solche Zustände zu bekämpfen, denn wir sind keine politische Organisation", sagte sie. Da die Organisation die Tourismusverbände aus ungefähr hundert Ländern repräsentiere, also eine professionelle Interessenvertretung sei, wäre sie in der Lage, über ihre Mitglieder entsprechende Projekte zu fördern. Als der UFTAA daher 1992 von der End Child Prostitution in Asian Tourism (ECPAT) um Unterstützung gebeten wurde, habe man nicht gezögert.

Die ECPAT ist ein Zusammenschluß verschiedener, vornehmlich kirchlicher Organisationen, die sich nach der Gründung 1990 in Thailand von Südostasien nach Australien, Europa und Nordamerika ausgeweitet hat.

Durch den Beitritt der UFTAA erhielt diese ökumenische Koalition eine neue Qualität. Hatte man bisher mit Flugschriften, Informationsständen und Petitionen an das Gewissen von Regierenden und Öffentlichkeit appelliert, konnte man jetzt mit der UFTAA auf ein enormes ökonomisches Potential verweisen.

Für Länder wie Thailand, Sri Lanka oder die Philippinen, die in immer stärkerem Maße vom Tourismus abhängig sind, bedeutet dies einen entscheidenden Unterschied. Besonderes Gewicht kommt daher der Children and Travel Agents' Charta der UFTAA zu, die sich in Grundzügen an die UN-Charta für die Rechte des Kindes anlehnt.

Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die Mitgliedsverbände, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um der Kinderprostitution ein Ende zu bereiten. Sie will sowohl staatliche Anstrengungen wie auch die Initiativen anderer Organisationen und ihre Kampagnen unterstützen und "in Einklang mit den Gesetzen der betroffenen Länder" handeln. Eine Formulierung, die an Brisanz gewinnt, wenn man die Ankündigung der Philippinen bedenkt, überführte Sextäter in Zukunft hinzurichten. Diese hätten gegebenenfalls also von ihrem Reiseveranstalter wenig Hilfe zu erwarten.