Kürzlich wurde der Fernsehnation wieder einmal eine ordentliche Portion Medienpädagogik verpaßt. "Frontal", ZDF, Dienstag abend: Ulrich Kienzle und Bodo Hauser klärten ihre Zuschauer über die mutmaßlichen Untaten des extrem blauäugigen Michael Born auf.

Wenn die Staatsanwaltschaft Koblenz nicht eine Falschmeldung verbreitet hat, ist Born ein hochkarätiger Filmefälscher, der jahrelang den Hunger diverser TV-Magazine nach knackigem Bildmaterial bedient hat.

Ku-Klux-Klan in Deutschland? Deutsche Jäger knallen Katzen ab?

Fixer versorgen sich mit dem Drüsensekret einer "Coloradokröte"?

"Frontal" führte vor, wie Born die falschen Bilder zur aufrüttelnden Schlagzeile lieferte. Bedrückt sahen die Herren Kienzle und Hauser die Zuschauer an und beklagten den Glaubwürdigkeitsverlust für das deutsche Fernsehen. Im nächsten Magazinbeitrag zeigten sie Bilder von rumänischen Räubern, die einen Geldautomaten knacken.

Packende Bilder, brisant und sensationell. Natürlich war auch dem vertrauensseligsten Zuschauer sofort klar: Da stimmt etwas nicht. Ein Fake!

So dumm sind wir nicht! Wir haben unsere Lektion gelernt. Die Arbeitshypothese lautet also: Michael Born ist ein mutmaßlicher, allerdings gutbezahlter Medienpädagoge (geschätztes Honorar für gut zwanzig Falschfilme: 300 000 Mark). Dabei wollen wir zu seinen Gunsten davon ausgehen, daß er damit rechnete, einmal aufzufliegen - sonst wäre er ja nur ein gemeiner Betrüger. Denn erst wenn ein Medien-Fake auffliegt, zeigt sich seine aufklärerische Dimension.