Entrosten" wollte Hoechst-Chef Jürgen Dormann den Konzern vor knapp zwei Jahren nach einer beispiellosen Serie von 31 Störfällen. Entrostet worden ist auch: Seither ist der Gewinn in die Höhe geschnellt, unnötige Arbeitsplätze hat Hoechst abgebaut. Doch allein im vergangenen halben Jahr wurden im Rhein-Main-Gebiet ein knappes Dutzend Störfälle bekannt. Am Samstag nun wurde eine Tonne des in hohen Dosen krebserzeugenden Pflanzengifts Isoproturon in die Luft geblasen. Wie bei einem Großunfall vor drei Jahren im Uraltwerk Frankfurt-Griesheim, das nun zum Teil der Hoechst/Schering-Tochter AgrEvo gehört, wurde die Bevölkerung zuerst nicht, dann falsch und schließlich zu spät gewarnt. Stundenlang spielten Kinder unbehelligt am Samstagmorgen im verseuchten Schnee.

Kaum hatte sich Dormann aus den Vereinigten Staaten bei der Bevölkerung für "die Belästigungen, Störungen und Ängste" entschuldigt, mußte der Konzern die nächste schwere Panne zugeben. Am Sonntagmorgen waren 1,5 Tonnen eines Zwischenprodukts für das umstrittene Schmerzmittel Novalgin unbemerkt übergeschäumt, in die biologische Kläranlage und von da aus in den Main geraten. Der Weltkonzern verfügte über keinerlei Kenntnisse zur toxischen Wirkung des Gebräus. Trotzdem hätte die Verseuchung wohl vermieden werden können, wäre sie nicht erst 28 Stunden später gemeldet worden. Zudem wurde Anfang der Woche auch noch ein Mitarbeiter an anderer Stelle von austretendem Gas verletzt.

Jetzt soll grundsätzlich immer gewarnt werden, wenn "eine Gefährdung für die Bevölkerung vermutet" wird. Und für das Werk Griesheim wird "ein Sicherheitsmanager" ernannt. Ungläubig fragte eine konsternierte Bürgerin: "Den gab es bisher nicht?"

Umbau bei Sony: Der Tokioter Elektronikriese ordnet seine Sparten neu nach Ideen von Firmenchef Nobuyuki Idei. Der dynamische Mann will das angeschlagene Unternehmen der Unterhaltungselektronik zu einem Multimediakonzern erster Güte machen. Sonys klassisches Geschäft wächst zusammen mit dem Computer und der Telekommunikation, so sein Credo. Daher soll jetzt eine neue Einheit, die Information Technology Company, international alles koordinieren, was der Konzern in Sachen Personalcomputer und Informationstechnologie unternimmt. Einige Eisen hat das ehemalige Avantgardeunternehmen schon im Feuer. So zählt Sony zu den weltweit größten Herstellern von Bildschirmen und Laufwerken für Computer.

Und mit einem Computerspielegerät ist Sony in den von den japanischen Konkurrenten Sega und Nintendo beherrschten Markt eingedrungen. Idei will aber auch die Halbleiterproduktion ausbauen; und zusammen mit dem Weltmarktführer für Computerchips Intel entwickelt der Konzern neue Personalcomputer für den privaten Gebrauch.

An Umorganisationen dürften die Mitarbeiter noch gewöhnt sein.

Die letzte ist nicht einmal zwei Jahre alt. Wenn Ideis Strategie stimmt, müßte die neue Struktur allerdings etwas länger halten.