Wer lange hungert, wird alt. Diese Wahrheit wird bei Ratten und Mäusen, denen Wissenschaftler Diät verordnen, zum wissenschaftlichen Phänomen: Auf schmaler Kost gehaltene Nager werden erheblich älter als normal fressende Artgenossen. Auch Wasserflöhe, Rundwürmer, Fruchtfliegen und Goldfische erfreuen sich eines besonders langen Lebens, wenn sie zum Fasten verdonnert werden. Könnte auch der Mensch durch eine permanente Hungerkur dem Altern ein Schnippchen schlagen?

"Die Antwort könnte durchaus ,Ja` lauten", sagt Richard Weindruch von der amerikanischen University of Wisconsin-Madison (Scientific American, Bd. 274, Nr. 1). Weil Fastenstudien an Menschen aufwendig sind und erst nach Jahrzehnten Ergebnisse liefern würden, stützt sich der Mediziner auf erste Ergebnisse aus zwei Studien mit Rhesusaffen, die dreißig Prozent weniger Kalorien aufnahmen als munter fressende Kontrolltiere. Die hungernden Affen haben einen niedrigeren Blutdruck und weniger Zucker im Blut - wie zuvor auch bei fastenden Ratten und Mäusen gezeigt wurde. Ähnlich wie bei den Nagern, vermutet Weindruch, sorgten die guten Werte auch bei den nahen Verwandten des Menschen dafür, daß sie lange fit blieben, erst spät Altersgebrechen entwickelten und womöglich ein rekordverdächtiges Alter erreichten.

Überträgt man Daten aus Tierversuchen auf den Menschen, könnte die sogenannte kalorische Restriktion dazu führen, daß sich unsere maximale Lebensspanne um ein Drittel ausdehnt - schlanke Hundertzwanzigjährige wären dann keine Seltenheit. Auffällig viele Hundertjährige leben auf der japanischen Insel Okinawa - dort ernährt man sich seit jeher kalorienbewußt. Wie das Fasten den Alterungsprozeß bremse, sei allerdings noch nicht bekannt, sagt Richard Weindruch, der sich längst selbst eine "milde" Diät auferlegt hat. Selbstversuche empfiehlt der Mediziner allenfalls für ausgewachsene Menschen, die sich Hochrechnungen aus Tierversuchen zufolge dann täglich mit etwa einem Gramm Fett und einem halben Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht begnügen müßten.

Gegen solche Enthaltsamkeit sträubt sich jedoch die menschliche Natur: Hungerkuren sind schon millionenfach gescheitert. Weil der Mensch als Jäger und Sammler stets vom Hungertod bedroht war, entwickelte er vor allem auf energiereiches Fett einen Heißhunger.

Fette Speisen seien deshalb purer Geschmack und Lust, sagt ein amerikanischer Forscher. Das archaische Freßverhalten beschert dem Menschen in der zivilisierten Welt den Schmerbauch - und beflügelt die Phantasie der Nahrungsmittelhersteller. So ist eine Substanz, die nach Fett schmeckt, ohne fett zu machen, vergangene Woche in Amerika zugelassen worden. Das von der Firma Procter & Gamble ersonnene Kunstfett Olestra besteht aus sechs bis acht Fettsäuren, die so an ein Zuckermolekül geknüpft sind, daß der Körper sie nicht verwerten kann. Unbehelligt gleitet Olestra durch Magen und Darm. Kritiker warnen, daß dabei fettlösliche Vitamine ausgeschwemmt werden. Bei einigen Testessern, notierte das amerikanische Magazin Time, führte das umstrittene Olestra obendrein zu Abwinden, "Krämpfen, weichem Stuhl und fäkalem Notstand". Einleuchtend, daß man auf diese Weise schnell ein paar Pfunde los wird.