DIE ZEIT: Am Anfang Ihrer Laufbahn, 1966, haben Sie kategorisch formuliert: "Ich interessiere mich für die sogenannte Wirklichkeit nicht, wenn ich schreibe." Was veranlaßt einen, vom Schreibtisch aufzustehen und nach Serbien zu fahren?

PETER HANDKE: Ich habe mir gedacht, das kann doch nicht so sein, wie es dauernd erzählt wird. So wie im Western einer aufbricht in ein Land, von dem er nur üble Gerüchte gehört hat und gerade deswegen davon angezogen ist. Er hört, es gibt nur Korruption dort, nur Huren oder nur Mord und Totschlag.

Er geht also nach Tombstone . . .

Warum nicht. Es würde täglich so schwarzgemalt, daß man ein seltsames Nachtbild bekam. Nicht ich, sondern ein Teil des Bewußtseins in mir. Ich wollte all die Jahre immer hin nach Serbien. Ich muß da jetzt hin, habe ich zu meiner Frau gesagt, ich muß mir das einmal anschauen. Niemand schreibt über das Land, wie die Leute dort leben. Meine Frau sagte, wenn du da hingehst, komm' ich mit.

Wir haben im Oktober geheiratet, und die Fahrt nach Serbien war, auch wenn es absurd klingt, unsere Hochzeitsreise.

André Glucksmann reagierte auf Ihren Reisebericht ziemlich ungehalten: "Handke ist ein gequälter Geist, und als solcher beißt er die anderen."

Ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist. Mir kam's debil vor, wie er reagiert und wie schnell er reagiert hat. Er soll das Werk erst mal lesen. Im Corriere della Sera erschien bereits am Morgen nach der Veröffentlichung der ersten Folge in der Süddeutschen Zeitung seine fiebrige Entgegnung.