So ein Pech, jammerte Made, als er uns am Flughafen von Denpasar abholte. Da hatte er nach wochenlangen Bemühungen endlich einen Interviewtermin mit Ida Bagus Mantra ausmachen können, und dann war der zweimalige frühere Gouverneur von Bali ein paar Tage zuvor überraschend gestorben. Doch Made wußte sogleich Trost: "Sie werden an seiner cremation teilnehmen", sagte er und stellte ein großes, fröhliches Ereignis in Aussicht. Mantra sei ein hochverdienter und sehr populärer Mann gewesen, erläuterte Made. Gewiß würden viele hundert Menschen der Feier beiwohnen, "natürlich auch viele Touristen". Da wurde uns also eine Totenverbrennung als Freudenfest avisiert - schneller und eindrücklicher kann Fremden die Besonderheit eines Gastlandes kaum nahegebracht werden.

Bali, das Paradies - dieses Image umgab die Insel bereits mit einer verklärenden Aura, als sich der Topos vom Garten Eden noch nicht für die Slogans des Massentourismus verschlissen hatte.

Es waren Weltenbummler und Müßiggänger, Schriftsteller und Musiker, die es Anfang der dreißiger Jahre nach Bali zog. Unter ihnen auch der deutsche Maler Walter Spieß. In dem Ort Ubud im zentralbalinesischen Hochland bezog er Quartier und war alsbald Mittelpunkt einer internationalen Künstlerkolonie.

Hier ließ er sich von der hinreißend schönen Landschaft und den vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen der bis dahin kaum bekannten Hochkultur inspirieren und beeinflußte seinerseits die traditionellen Künste. Daß die zivilisationsmüden Aussteiger ihr tropisches Arkadien in Bildern und Büchern verherrlichten, blieb jedoch nicht folgenlos.

Innerhalb kurzer Zeit brachten Dampfschiffe jeden Monat an die hundert Touristen zur Nordküste der holländischen Kolonie Bali, so daß die stationären Schöngeister bald um die Exklusivität ihres Paradiesgärtleins bangten. Ihre Warnung, unter dem Einfluß der Fremden könnten balinesische Traditionen Schaden nehmen, klang jedoch ganz so, als gelte es, eigenen Besitzstand zu sichern, und keineswegs war sie frei von paternalistischer Attitüde.

Nicht selten bestimmt diese Haltung noch heute den Umgang westlicher Experten mit dem Kulturphänomen Bali. Wie kein anderes "Traumziel" wurde die Insel, von der es hieß, daß hier jeder Bewohner ein Künstler sei, schon früh zum Forschungsgegenstand von Anthropologen, Ethnologen und anderen Wissenschaftlern. Dabei blieb oft unreflektiert, daß deren Bali-Bild weitgehend westlicher Sichtweise entsprang.

Nun melden sich die Balinesen selbst zu Wort, und was sie über sich zu sagen haben, klingt häufig nach einer überfälligen Revision inzwischen verfestigter Vorstellungen.