KÖLN. - Mit diesem Mann, stöhnt Etha von Wittgenstein von der Aachener PR-Firma Thouet, "haben wir ganz große Probleme". Die Agentur ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Aachener Karnevalsvereins (AKV). Und die macht einmal im Jahr, Anfang Februar, richtig Arbeit, wenn der Verein seinen berühmten Orden wider den tierischen Ernst verleiht. Dann nämlich drängeln die Medien, und da komme es auf eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem Ordensritter an. Mit Heiner Geißler im vergangenen Jahr habe es wunderbar geklappt, schwärmt die PR-Dame. Wie erbeten habe er sein Redemanuskript lange vor der Ordensverleihung abgeliefert, damit es den Zeitungen vorab zugestellt werden konnte.

Dagegen stelle sich der diesjährige Ordensträger richtig zickig an. Er werde kein Manuskript verfassen, höchstens ein paar Stichworte notieren und ansonsten frei sprechen, erklärte er. Und über sich selbst wollte er so gut wie nichts mitteilen. "Der hat wohl Angst, daß er irgendwie vermarktet werden soll", vermutet Frau von Wittgenstein.

Dabei wäre gerade bei diesem Ordensritter eine fundierte PR-Arbeit besonders nötig, findet sie. Denn im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger ist der Mann nicht gerade prominent, jedenfalls nicht außerhalb Kölns: Bernard Henrichs. "Ja, den Kölner Dom kennt die ganze Welt", gibt er zu. "Aber wer kennt schon den Dompropst?"

Der 67jährige Henrichs ist der dritte Kirchenmann unter den bislang 46 Ordensrittern (die bis auf zwei Ausnahmen, Gertrud Höhler und Renate Schmidt, alle männlich sind). Meistens wird der laut Eigenwerbung "einzige Orden, der nicht für, sondern gegen etwas vergeben wird", Politikern umgehängt. Bei ihnen, schrieb der Bonner Chronist Walter Henkels einmal, sei der Aachener Orden "längst so begehrt wie ein einstündiger Solofernsehauftritt oder ein Ehrendoktorhut".

Vermutlich kennen sie alle die Allensbach-Umfrage, wonach 69 Prozent der Bundesbürger meinen, daß die Auszeichnung für den Geehrten spreche.

Dompropst Henrichs, dem der Orden am 3. Februar in Aachen auf einer Festsitzung verliehen wird, hat sich den Titel nach Ansicht der Vereinsoberen verdient, weil er so "jovial, heiter, von offener Direktheit und bescheiden" sei.

Den Ausschlag aber habe eine Geschichte gegeben, die sich im vergangenen Jahr zutrug: Unbekannte hatten aus der Domschatzkammer das wertvolle Vortragekreuz gestohlen, das traditionell beim Einzug der Kardinäle in den Dom vorangetragen wird. Ein Polizeireporter der Bild-Zeitung, erzählt Henrichs, habe daraufhin bei dem inzwischen im Ruhestand lebenden "König der Kölner Unterwelt", Heinrich Schäfer, genannt Schäfers Nas, nachgefragt, ob er das Kreuz nicht wiederbeschaffen könne.