Die Politikwissenschaftler Franz Walter und Peter Lösche haben ein Buch geschrieben, punktgenau in die Krise. Es handelt von der FDP und ist ein Verriß geworden. Das überrascht nicht wirklich.

Auch den Generalsekretär der Liberalen, Guido Westerwelle, nicht.

Er hat das Buch schon gelesen. Er sagt, er liest auch Bücher, die ihm nicht ganz so gefallen. Zur Buchpremiere in der hessischen Landesvertretung ist Westerwelle dann auch noch gekommen. Der Parteimanager ist keiner, der sich drückt. Und als Mann mit Sinn für PR weiß er, daß sich manchmal selbst aussichtslose Situationen noch irgendwie wenden lassen.

Joschka Fischer stellt das Buch vor, sozusagen als ausgewiesener Erbe des Liberalismus. Gleich zu Anfang verweist er auf das Memento mori, das die Geschichte der Liberalen birgt, für alle Parteien, die noch am Leben sind. Doch schon hat er's vergessen und tappt ein wenig in der Falle herum. Da dröhnt er vom "Sterbebett", auf das es die FDP "niedergehauen hat", und vom liberalen "Elend", das man nicht verlängern möge. Klingt alles ein wenig protzig.

Kein bißchen Gespür, der Dicke, an diesem Tag.

"Warum ist was wie geschehen?" fragt einer der beiden Autoren.

Ja, wenn man das immer so genau wüßte! Es ist, analysiert Fischer, "der Machtpragmatismus", der geistlose. Man stelle sich vor: Da ist eine Partei, die regiert und regiert und "findet nicht mehr heraus aus der Regierung in die Opposition". Irgendwann ist sie richtig verkommen, der Wähler merkt es, aus. - So, und jetzt stellen wir uns den umgekehrten Fall vor; gemeinsam mit Joschka: Da ist eine Partei, die opponiert und opponiert und findet gar nicht mehr heraus aus der Opposition in die Regierung. Auch nicht schön, oder? Eines hat Fischer versprochen: Den Weg des Machtpragmatismus will er nicht einschlagen.